Über Rheinhessen

Dynamik und Tradition

Sanfte Hügel, ein Meer von Reben, schmucke Weindörfer, das ist Rheinhessen. „Das Gesicht der Landschaft bleibt gelassen und anspruchslos“, schrieb einer berühmtesten Söhne der Region, Carl Zuckmayer, in seinen Erinnerungen. Rheinhessen, das „Land der 1000 Hügel, ist der Gigant unter den 13 deutschen Weinanbaugebieten, aber dennoch ein unbekannter Riese. Das liegt am verwirrenden Namen, denn Hessen hatten sich hier zu keinem Zeitpunkt niedergelassen. Der künstliche Name geht vielmehr auf den Wiener Kongress zurück, in dessen Folge die Region aus vielen Flicken zusammengestückelt worden war.

Mit rund 26.000 Hektar Rebfläche nimmt die Region zwischen Mainz, Bingen, Alzey und Worms heute eine Spitzenstellung ein. Das war nicht immer so, doch wurde die Anbaufläche über Jahrzehnte sukzessive erweitert. Etwa 110 Millionen Rebstöcke stehen heute für ein Viertel des in Deutschland erzeugten Mostes. Dass Rheinhessen für den Weinbau eine ideale Region ist, kommt nicht von ungefähr. Das Klima ist vergleichsweise niederschlagsarm, mit warmen Sommern und milden Wintern. Die Sonnenscheindauer von 1700 Stunden ist beachtlich, die Regenmenge von rund 500 Millimetern im Jahr dagegen recht gering. Rheinhessen ist eigentlich nichts anderes als eine anmutige, große Ansammlung von Weindörfern.

Unterteilt ist die Weinregion Rheinhessen in drei Bereiche: das Wonnegau, die Region um Bingen und die Region um Nierstein. Diese drei Bereiche sind in 24 Großlagen unterteilt. Insgesamt gibt es in Rheinhessen 434 Einzellagen, darunter so berühmte wie die älteste deutsche Weinlage überhaupt, das „Niersteiner Glöck“. Auf ihnen erzeugen rund 3500 Betriebe Wein. Mehr als ein Dutzend Winzergenossenschaften vermarkten die Weine vieler kleiner Feierabendwinzer, die oft nur wenige Rebzeilen ihr eigen nennen. Anders als etwa die Mosel oder der Rheingau wird Rheinhessen nicht von einer einzigen Rebsorte dominiert. Die rheinhessischen Winzer gehören vielmehr zu den experimentierfreudigen ihrer Art, die auf ihren Weinbergen auch vielen Neuzüchtungen eine Chance gegeben haben, sich zu bewähren. Kein anderes deutsches Anbaugebiet wartet deshalb mit einem solchen Strauß an weißen und an roten Rebsorten auf, denn rund ein Drittel der Weinbaufläche ist mit Rotweinsorten bestockt. Auch das gehört zu den Reizen einer Region, die nicht länger unterschätzt werden darf. Es ist das Land der Winzer.


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