• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Weinbörse und große Pinots

Pinot Flashback bei Solveigs

Nein, Chat Sauvage ist natürlich nicht das einzige Rotweingut im Rheingau. Eher im verborgenen weil gewissermaßen nebenberuflich hat „Winemaker“ und Berater Jens Heinemeyer „Solveigs“ aufgebaut, das heute im Geisenheimer Kapellenhof residiert. Heinemeyer macht vieles, wenn nicht alles anders als die meisten seiner Kollegen, und er nimmt dennoch nur für sich in Anspruch, durch kontrolliertes Nichtstun im Keller einen möglichst guten Erfolg zu erzielen. Heinemeyer, bis Ende 2012 Mitinhaber des Weingutes Johanninger in Rheinhessen, hat jetzt 20 Pinots der Jahre zwischen 1995 und 2011 aus der Schatzkammer geholt, und das schmeckt zwar ganz anders als die geschätzten Rotweine des unten erwähnten Urgesteins Becker, aber nicht minder gut. Unbehandelt, unfiltiriert, burgundertypisch. Naturkork selbstredend. Vor allem die Weine aus den mittleren Jahren wie 2008 und 2004 reüssieren auf der Zunge ungemein. Frühburgunder ist zwar nicht immer meine Sorte, aber der 2009 Koloss ist für jeden Fan ein großer Wein. Und wenig überraschend erweist sich die Magnumflasche ist bestes Gefäß, um Pinot reifen zu lassen.

Phyllit 1997, 2002, 2008 M, 2011

Steil 1995, 1996, 1998, 2007, 2012

Micke 2006 M, 2009

Present 1997, 1999, 2004 M, 2009, 2011

Koloss 2002, 2009, 2011  

Meine Favoriten sind ganz klar Present 2004 und 2009 mit wunderbare Fülle, fein verwobenen Taninen, perfekter Reife, Länge und Eleganz

Weingut J.B.Becker, Walluf

Kaum ein Rheingauer Winzer kann so aus dem vollen schöpfen, wenn es um gereifte Weine geht. Das tut Hajo Becker inzwischen auch regelmäßig und lädt zur Präsentation ins Glashaus. Ich habe mich dort diesmal ganz auf die Roten konzentriert. Somit alles Wallufer Walkenberg Spätburgunder trocken

2004 – großer Schmelz, klare Struktur, sehr fein

2001 – sehr präzise, gute Säurestruktur, elegant

2000 -  sehr prägnante Säure, würzig, fehlt an Körper

1996 -  vom Rot ins Braun übergehend, würdige Reife, nicht mehr lagern

1989 -  überraschend gut, noch immer lebendig, würzig, pfeffrig

1997 -  sehr komplex und sehr fordern, kein Wein für Anfänger

1993 – einer meiner Lieblinge unter den trockenen Spätlesen, gutes Säuregerüst, Substanz und Komplexität

2003Spätlese aus dem Rheinberg, großer Jahrgang, großer Wein, passt!

… und dann noch zwei Weißherbst-Auslesen aus dem Walkenberg, die mich fasziniert und beinahe „umgehauen“ haben…

1988 – ein Kracher mit dezenter Süße von knapp 20g, perfekter Essensbegleiter, großer Trinkfluss, animierend, eine Wucht!

1976 – ein Monument mit hoher Strahlkraft, großer Trinkfreude, Eleganz, Schmelz und Finesse, ganz groß!

Winkel Hopping 2017

Gute, nachahmenswerte Aktion Winkeler Vorzeigebetriebe, von der Ankermühle (die die kläglichen Reste des eigenen Weinbaus inzwischen ganz aufgegeben hat und die Basisweine von Carl Ehrhardt bezieht) bis zu Corvers-Kauter (wo die Weine immer noch besser werden…). Forelle in der Ankermühle, Bamberger Hörnla bei Asbach-Ketschmar und ein leckeres Trio bei Hamm, das Hopping hatte es auch kulinarisch wieder in sich. Dabei war der Ankermühle 2013 Riesling „Maria“ ein guter Auftakt, sehr fein auch der 2015 Rheingau Riesling „Jubliläum“ von Hamm. Sehr angetan war ich von Asbach-Kretschmar… 2016 Hasensprung Kabinett trocken ist ein süffiger Gutswein,  und die trockene Spätlese aus dem Roseneck ist aller Ehren wert. Ein echtes Schmankerl aus dem Ökoweingut ist die 2015 Rosé-Auslese aus der Lage Klosterlay… flüssiges Dessert. 

Mainzer Weinbörse

Die verbreiteten Frostschäden in den deutschen Weinbergen, deren ganzes Ausmaß noch nicht klar erkennbar ist, bestimmten die Fachgespräche auf der 44. Mainzer Weinbörse in der Rheingoldhalle. Vielen Winzer saß der Schreck noch in den Knochen. Ertragsausfälle von bis zu 70 Prozent hatte schon im Vorfeld der württembergische Spitzenwinzer Matthias Aldinger gemeldet, die Hessischen Staatsweingüter hatten von bis zu 50 Prozent erfrorener Triebe in Hochheim berichtet, ebenso das Weingut Spreitzer über stark geschädigte Parzellen im Oestricher Doosberg. Das Eltviller Weinbauamt hat inzwischen alle Winzer aufgefordert, die Schäden zu erfassen und zu melden.

Der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) hat in Appenheim und in Bad Dürkheim Winzer besucht und sich über die Schäden informiert. Rheinhessen und die Nahe seien neben der nördlichen Pfalz stark getroffen, heißt es. Es gebe dort „nahezu keine ungeschädigten Rebflächen“, die befürchtete Ausfallrate liege zwischen zehn und 95 Prozent. Die Winzer müssten nun auf Kompensationsreaktionen der Rebstöcke hoffen.

Dabei wollten die Winzer in Mainz vor allem über den Jahrgang 2016 und die guten wirtschaftlichen Aussichten sprechen. Unwägbarkeiten gibt es allerdings auch hier. Welche Auswirkungen beispielsweise der Brexit auf die exportfreudigen deutschen Spitzenwinzer hat, ist noch völlig ungewiss. Von 18 auf 23 Prozent haben die rund 200 Mitglieder des Verbands der Prädikatsweingüter im vergangenen Jahr ihren Exportanteil gesteigert, und Großbritannien ist mangels eigener nennenswerter Weinerzeuger ein wichtiger Absatzmarkt. Doch Wein getrunken wird auch nach dem Austritt der Briten aus der EU, da ist VDP-Vizepräsident Philipp Wittmann ganz sicher. Die Exportregeln allerdings könnten sich ändern, mit ungewissen Folgen.

Gleichwohl blicken die VDP-Betriebe, die durchschnittlich immerhin 26 Hektar groß sind, auf Basis des zurückliegenden Wirtschaftsjahres recht zuversichtlich in die Zukunft. Das liegt auch daran, dass sie weniger für den Fassweinmarkt mit seinen in vielen Regionen am Boden liegenden Preis produzieren, sondern in Flaschen abfüllen und zu durchaus beachtlichen Preisen vermarkten. Nach einer Aufstellung des VDP erreichen schon die einfachen Gutsweine inzwischen einen Durchschnittspreis von 9,70 Euro je Flasche, bei den trockenen Spitzenweinen (Große Gewächse) sind es sogar durchschnittlich 32 Euro. Letztere stehen aber nur für einen Umsatzanteil von 15 Prozent. Insgesamt berichten die VDP-Winzer von Absatz- und Umsatz-Zuwächsen von rund zehn Prozent.

Der VDP sieht eine ungebrochene Nachfrage nach der Leitrebsorte Riesling und ein wachsendes Interesse an Spätburgunder-Rotwein deutscher Provenienz. Mit 182 Winzern nahmen diesmal fast alle Mitgliedsbetriebe des VDP teil, was den mehr als 3000 Fachbesuchern eine hervorragende Übersicht über den aus Erzeugersicht guten Weinjahrgang 2016 gab. Wittmann spricht von „unglaublich balancierten“ Weinen „einer feinen Säure und elegant charmanter Frucht.“

Insgesamt lag der Absatz der Prädikatsweingüter im Jahr 2016 bei rund 34 Millionen Flaschen. Der Gesamtumsatz gibt der VDP mit rund 323 Millionen Euro an, das sind immerhin 27 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Grundsätzlich sei die Preisentwicklung in allen Weinsegmenten stabil bis leicht steigend. Der Direktverkauf ab Weingut hat mit 42 Prozent beim Absatz nach wie vor den größten Stellenwert. Immerhin zehn Prozent der Verkäufe werden inzwischen über eigene und externe Onlineshops abgewickelt. Der Weinfachhandel, bislang mit 35 Prozent zweitwichtigster Absatzweg der VDP-Güter, hat an den Onlinehandel deutlich Anteile verloren. Und die ebenfalls wichtige Gastronomie (17 Prozent des Inlandsabsatzes) bedient sich nach den Beobachtungen der Winzer immer weniger direkt im Weingut sondern beim Handel. Inzwischen bewirtschaften VDP-Mitgliedserzeuger schon zwölf Prozent der ökologischen Rebflächen in Deutschland. VDP-Präsident Christmann bekräftigte die Forderung des Verbands nach einer Reform des Weinrechts. Im Segment der Einstiegsweine müssten die Herkunftsbezeichnungen deutlich „entschlackt“ werden. Den Weintrinkern sei der „Bezeichnungsdschungel“ nicht dauerhaft zumuten. (leicht gekürzter Bericht aus der FAZ)

Sensorisch habe ich mich mit Freuden durch den Dschungel geschlagen und eine Schwerpunkt auf Baden gelegt, um Burgunderfreuden zu genießen. Die hatten es in sich!

Huber 2015 Chardonnay Alte Reben – großartig, Schmelz, Fülle, Alles!

Laible 2016 Plauelrain Grauer Burgunder – eine Zierde für diese Rebsorte!

Seeger 2015 Chardonnay S – sehr cremig, füllige Eleganz, wird super!

Stigler 2015 Chardonnay Pagode GG – Mehr davon, Trinfluss hoch 10

Stigler 2015 Chenin Blanc – das muss man getrunken haben. Staun!!!!

Wöhrle 2015 Chardonnay Gottsacker GG – deftig, lecker, schmelzig, gut

Graf Adelmann 2015 Lichtenberg Weißburgunder – sehr gut, Trinkfluss!

Aldinger 2015 Chardonnay Reserve – das Beste aus Württemberg!

Dautel 2015 Chardonnay S – sehr gut, macht Trinkspass!

Graf Neipperg 2015 Ruthe Riesling GG – feinfruchtig, elegant, lecker