Robert Weil, die 2016er

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Jahrgangsprobe? Jedenfalls nicht möglichst direkt nach der Füllung! Es hat auch seinen Charme, auf den Sommer zu warten, wie jetzt meine Verkostung nahezu aller aktuellen Weil-Weine gezeigt hat. Und es beginnt mit einem unerwarteten Paukenschlag!

2016 Rheingau Riesling trocken erweist silch als Einstiegswein nicht erwarteter Ernsthaftigkeit. Ein Wein mit Power, recht breiten Schultern, guter Fülle und bar jeder hervorstechenden Säure. Ein Wein mit „Schmackes“, der von den hohen Extraktwerten des Jahrgangs Zeugnis ablegt und trotz seiner Kraft einen animierenden Trinkfluss entfaltet. So gut hatte ich den „einfachen“ QbA in den vergangenen Jahren jeweils nicht in Erinnerung…

2016 Kiedricher Riesling trocken ist ein rassiger Ortswein, der von der wunderbaren Mineralik der Kiedricher Berglagen unterlegt ist. Recht filigran mit expressiver, aber nicht nerviger Säure. Ebenfalls mit hohem Trinkfluss ausgestattet und sofort nach dem nächsten Schluck kreischend…

2016 Klosterberg, Turmberg und Gräfenberg GG (Faßprobe)

Die drei Berglagen nebeneinander verkosten zu dürfen, entfaltet immer einen besonderen Zauber. Der Klosterberg wirkt dabei recht fest, nur fast ein wenig bodenständig-bäuerlich, aber dabei sehr präsent und verlangt für mich nach begleitender Hausmannskost. Her mit der Leberwurst! Ein runder, stoffiger Wein, dessen Finesse als Hintergrundmusik erkennbar ist. Was ihm fehlt, wird einem tatsächlich erst bewusst, wenn man den Turmberg auf der Zunge hat. Ein Wein von derart geschliffener Präzision, Rasse und Schärfe lässt den Klosterberg unverdient fast konturlos erscheinen. Ein vinologisches Schwert, das einem Samurai alle Ehren machen würde. Klasse! Der Gräfenberg (das erwartete GG vorab als Faßprobe!)  wird im September wieder einmal als Monument durch seine Saftigkeit und Fülle überzeugen, die 2016 – dem Jahrgang geschuldet – von einer betörenden Fruchtnote untermalt wird. Sehr animierend hält der Gräfenberg – wie ich das immer erwarte – auf wunderbare Weise die Waage zwischen Eleganz und Kraft.

2016 Rheingau Riesling Kabinett, das ist der süße „Sauf weg“-Wein des Weinguts. Herrliche Frucht, Saftig-süße Freude, Trinkspaß auf hohem Niveau bei 9 Prozent Alkohol, dank der Säure wunderbar belebend und animierend, jetzt sofort trinken oder 10 Jahre weg legen.

2016 Turmberg Spätlese und Gräfenberg Spätlese, beide zeigen auf eindrucksvolle Weise, zu was der Jahrgang 2016 fähig war. Kristallklar wie Gebirgswasser, feine Frucht, hohe Präzision, für mich ist es der Turmberg mit der höheren Trinkanimation dank feinstem Säure-Süße-Spiel. In jedem Fall zahlt sich die „Abrüstung“ der süßen Spätlesen beim Mostgewicht in einem Gewinn an Geschmack und Trinkfreude aus.

2016 Turmberg Auslese, Gräfenberg Auslese und Gräfenberg Auslese Goldkapsel,  war für ein Trio infernale! Auch wenn danach noch dickere Granaten kommen, so braucht doch kein Mensch mehr Süße und Konzentration als diese wuchtig-süße und dabei geschliffen feine Goldkapsel…

2016 Turmberg Beerenauslese, Gräfenberg Beerenauslese, Gräfenberg Eiswein, letzter gelesen am 7. Januar und für meine Geschmack in diesem jugendlichen Alter noch nicht mit ausreichend Eiswein-Typizität gesegnet, aber natürlich ein klasse Süßwein. Bin gespannt, ob die Erkennbarkeit als Eiswein mit den Jahren deutlich zunimmt. Dennoch, jetzt wird die Probe ob der Opulenz, Dichte und Süße zu einer echten Herausforderung. Und mein Herz schlägt in diesem jungen Stadium meist für den Turmberg mit der schmeckbareren Säure und der etwas geringeren Opulenz, das gilt auch für die eigentlich noch kaum verkostbare  2016 Gräfenberg Beerenauslese Goldkapsel sowie die beiden TBAs aus Turmberg und Gräfenberg. Ein Moment mit Monumenten am Ende der Bewertungsskala. Schnell noch ein Schluck Reparaturwein: Turmberg! Passt!