Große Gewächse - Weiße Burgunder

Sonntag früh, nicht einmal 11 Uhr und schon eine kleine, aber feine Auswahl weißer Burgunder auf dem Tisch. Eine Herausforderung, aber eine geschmackvolle. Los geht’s in Wiesbaden anlässlich der Vorpremiere Großes Gewächs des VDP #vdpgg2017 mit der von mir ungeliebtesten Sorte, dem Grauburgunder… und der erste haut mich gleich von den Socken

Grauburgunder

Pawis Edelacker GG – eine Granate von Saale-Unstrut, geschliffen, präzise, Druck, hochfein, dabei mit guter Säure, Trinkfluss wie ich ihn sonst von dieser Rebsorte kaum kenne, Kompliment! 92P

Nicht minder gut das Lämmler GG von Schnaitmann, ein Expresszug am Gaumen, voll, elegant, schöne Cremigkeit, das macht Laune. 91P. Bercher überzeugt mit dem Feuerberg Haslen, 91P. Übertroffen wird er allerdings von Hegers Achkarrer Schlossberg, der alles hat, was ich von einem Wein dieser Güte erwarte. Schmelz, Nachhall, Eleganz, Cremigkeit, Körper ohne deshalb zu fett daher zu kommen. 93P  Eher in die herkömmliche Kategorie fallen da Wöhrwags Herzogenberg (88P) und die Kirchgasse von Wöhrle (Weingut Stadt Lahr), 89P. Perfekt ausbalanciert erscheint mir Stiglers Winklerberg Pagode, 92P, gut Blankenhorns Sonnenstück und der Doktorgarten aus dem Staatsweingut Freiburg, beide 90P. Alles war mehr als 90 Punkte führt sogar einen Grauburgunder-Skeptiker wie mich in Versuchung, zumal die Weine eine guten Trinkfluss haben könnten… ich muss jetzt nochmal am Pawis nippen!

Chardonnay

… ich werde immer mehr zum Freund anspruchsvoller deutscher Chardonnays, auch wenn ich – zugegeben – gute Franzosen ebenso zu schätzen weiß wie die Neue Welt, vor allem meine geliebten Südafrikaner (Bouchard-Finlayson, Moreson und Co…!) In Baden – meiner Heimat – gibt es aber schon lange Extraordinäres, und mein Schlüsselerlebnis hatte ich schon vor Jahren mit Huber! Der war in Wiesbaden diesmal mit dem 2015er Bienenberg GG und dem 2015er Schlossberg dabei… ganz einfach klasse! Nicht zu dick, merkliche Säure, viel Zitrus, feine Cremigkeit, sehr auf der eleganten Seite, so muss, darf und kann deutscher Chardonnay schmecken, eine Benchmark, beide 93P.

Sehr ordentlich auch Kronenbühl-Gottesacker von Wöhrle (Stadt Lahr), 89P. Vom Staatsweingut war leider nur der Doktorgarten, nicht aber der Schlossberg zu verkosten – sehr fest am Gaumen, druckvoll, ein Wein mit Durchschlagskraft, dem ein wenig die Finesse fehlt, 90P. Genau die zeigt Stiglers Winklerfeld auf wunderbare Weise… ein Chardonnay-Grazie mit Stil und Noblesse, hoher Trinkfluss, 92P. Stilistisch ganz anders, aber nicht minder fein zeigt sich Hegers 2015er Hinter Winklen „Gras im Ofen“, der sich in der Nase mit einem Wahnsinnsbukett meldet und sich am Gaumen ausgezeichnet präsentiert und zu meinen Höhepunkten zählt, 93P.

Roter Traminer

Lützendorfs Hohe Gräte Roter Traminer GG ist für mich mangels Vergleichsmöglichkeit und mangels Erfahrung ein schwer zu bewertender Wein, die relative Süße ist nicht mein Ding, allerdings fallen mir sofort jeden Menge Gericht ein, zu denen das ein absolut überzeugender Essensbegleiter wäre… solo ohne Trinkfluss, 88P

Weißburgunder

Weißburgunder! Bleiben wir doch erstmal im Badischen, auch wenn es der Rest der Republik auf meinem Gaumen dann vermutlich nicht einfach haben wird. Die badische Phalanx erweist sich in der Tat als beeindruckend, angeführt von Hegers Winklen Rappenecker, 94P, und dem Doktorgarten aus dem Staatsweingut, 93P. Stigler und Bercher bleiben mit der Pagode und dem Feuerberg Haslen nur knapp dahinter (beide 91P) vor dem Herrentisch von Wöhrle.  Das alles ist ziemlich gut und auch ziemlich überzeugend, wenn man ein Fan von Weißburgunder ist.

Bei den Kollegen in Württemberg liefern sich Aldinger und Ellwanger auf meiner Zunge ein hartes Gefecht, das wegen der größere Klarheit und Präzision Aldinger, 91P, mit leichtem Vorteil für sich knapp vor Ellwanger, 90P, entscheidet. Ähnlich gilt an Saale-Unstrut, wobei der Vorteil für Pawis mit seinem Edelacker, 90P, vor der Hohen Gräte von Lützendorf (88P), etwas klarer ausfällt. Bei den Franken steht erstaunlicherweise das Juliusspital allein auf weiter Flur. Der 2015er Karthäuser weiß aber mit seinem Spiel, seiner cremigen Leichtigkeit und seiner Finesse sehr zu überzeugen, 92P.

Beherrscht wird die Rebsorte bei den GGs aber von der Pfalz mit einem Dutzend GGs! Rebholz bewegt sich mit Im Sonnenschein, 89P, und Mandelberg, 91P, sehr auf der eleganten Seite, doch gefällt mir unerwartet die kräftiger Interpretation des Mandelberg von Dr. Wehrheim deutlich besser, 92P. Ein Maul von Wein auf höchstem Niveau. Kranz´ Kalmit ist recht ordentlich ausgefallen, mehr aber auch nicht, 88P, deutlich geschliffener Bernharts Sonnenberg „Rädling“. Nachträglich angestellt wurde noch der Mandelberg von Bergdolt Klostergut St. Lamprecht, der sich nur knapp hinter Wehrheim einordnet, 91P

Hochspannend die unterschiedliche Interpretation aus dem Kirschgarten von Knipser und Philipp Kuhn… letzter sehr „wild“, animalisch, animierend, spannend, ein Wein mit Ausrufzeichen, der für Diskussionen sorgen wird, 92P, doch am Ende überzeugt mich doch Knipsers großer Klassiker, 93P… da werde ich aber sicher nicht in der Mehrheit sein… Rings bestätigen ihren guten Lauf, 92P, Meßmer und Minges gewohnt verlässlich, 90P, eine Neuentdeckung sind für mich Münzberg Lothar Keßler & Söhne mit einem hochspannenden Münzberg „Schlangenpfiff“..,., dieser Pfiff lässt mich aufhorchen…, 91P.

Silvaner

... meine fränkische Lieblingsrebsorte darf am Ende nicht fehlen! Sehr ordentlich Rothlauf und Himmelspfad von Rudolf May, doch nicht auf dem Niveau von Schmitt´s Kinder und Ludwig Knoll, DAS ist ein STEIN. Die beste Silvaner-Kollektion hat meines Erachtens das Bürgerspital vorgelegt, für den Stein gibt es 92P, für die Stein-Harfe 91P. Auf ähnlich  hohem Niveau produzieren sonst nur noch Hans Wirsching und die beiden Sauers in Escherndorf. Welcher "Lumpen 1655" der Bessere ist, das ist wirklich eine Frage der Tagesform des Verkosters. In jedem Fall war 2016 ein guter Silvaner-Jahrgang, und meine persönlichen Vorlieben erfüllt das Bürgerspital in diesem Jahr am Besten.