• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Tesch, Nahe

Kompromisslos den eigenen Weg gehen und das Terroir der Lagen sprechen lassen, das ist die Mission von Michael Tesch an der Nahe. Persönlich verfolge ich das Weingut schon seit Jahren, wenn auch leider eher unregelmäßig. Mit seiner schön gestalteten Lagenbox hat Tesch wieder einmal sein Talent fürs Marketing unter Beweis gestellt. Den Inhalt zu verkosten im Kreis einer Runde von „Weinnasen“ zu verkosten war spannend und genussvoll zugleich. Und das Fazit: Unisono Lob für die Klarheit, Komplexität und Länge der Tesch-Weine und vor allem die differenzierte Sprache der 5 Lagen: 5x Riesling 2017

Langenlonsheimer Löhrer Berg: recht kernig, mit guter Länge, leicht erdige Noten, etwas Apfel

Laubenheimer Krone: viel Zitrus, aber auch kernig, komplex, feinfruchtig, elegant

Laubenheimer Karthäuser: recht voll, kraftvoll und balanciert, eine Maul voll Wein, große Komplexität und Länge, leicht würzige Art, Druck am Gaumen, Trinkfluss, mein Favorit!

Laubenheimer St. Remigiusberg: in Vorjahr oft mein Liebling, sehr dicht, Anklänge von Mandarine und reifer Orange, guter Spannungsbogen am Gaumen, fein

Langenlonsheimer Königsschild: der Sieger des Abends, mein Zeitplatzierter, geschliffen, fein, ein Schmeichler und schon sehr zugänglich, aber dennoch komplex, großes Potential für lange Lagerung, top

Silvesterfreuden

Das alte Jahr habe ich diesmal im Restaurant Ursprung des Wartenfelser Berghof… nie gehört? Tja, das ist ein echter Geheimtipp im Oberfränkischen, gar nicht so weit von der Bierstadt Kulmbach. Eine absolute Empfehlung! Zu einem großartigen Sechs-Gang-Menü gab es einen sehr ordentlichen 2017er Riesling vom Löss vom Pfälzer Weingut Stern und einen eher belanglosen 2017er Sauvignon blanc vom Neuseeländischen Weingut Villa Maria. Den zum Menü vorgesehen 2016er Frühburgunder vom Nahe-Weingut Sascha Montigny haben wir am Tisch gegen den 2014 Rooi Olifant von Markus Schneider getauscht, eine gute Entscheidung zum Rücken vom Black Angus Beef aus Cordoba.

Zum Anstoßen auf 2019 dann Barth 2013 Schützenhaus Riesling brut Natur und Solter 2013 Rotenberg Reserve but Methode Allemande, beide aus der Magnum! Die Abstimmung ging 4 zu 4 aus, mein Favorit war mit knappem Vorsprung der etwas komplexere, tiefgründigere Barth mit unglaublicher Finesse.

"Tatort Bad Kreuznach"

Ja, man lernt nie aus und stößt immer wieder auf neue Weingüter, die man bislang „übersehen“ hat: Das Weingut Lorenz & Söhne in Bad Kreuznach-Bosenheim mit seinem bewundernswert klar strukturierten Portfolio ist so ein Fall. Kahlenberg, Höllenpfad, Steinrossel, das sind die „Tatort“-Lagen, die man wirklich mal verkosten sollte, und schon der einfache Weißburgunder ist eine klasse Visitenkarte dieses Weinguts, das ich unbedingt mal besuchen muss….

Und sonst?

Dornier 2017 Chenin blanc Bush Vine – absolut großartig, enormer Druck, enormer Trinkfluss, genial gut, Gaumen-Reise nach Südafrika…

Alois Lageder 2015 Löwengang Chardonnay – klasse Chardonnay, sehr cremig, fest, komplex, großer Nachhall, top

Hessische Staatsweingüter 1976 Rauenthaler Gehrn Riesling Spätlese – schon recht fortgeschritten gereift, der Korken zerbröselt, aber Wein steht gut da, Rosinen, Datteln, Dörrobst, feine Süße, gut

Joh. Jos. Prüm 2009 Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese – wow! Saftig, typisch elegante Mosel-Süße, großer Trinkfluss, Spasswein auf höchstem Niveau, einfach lecker!

Robert Weil 2012 Turmberg Riesling trocken – immer eine Bank, immer zuverlässig lecker, immer Trinkfluss vom Feinsten!

Domaine A.F. Gros 2008 Echezeaux Grand Cru – eine burgundische Majestät, feine Frucht, hochfein und elegant, guter Trinkfluss, viel Kirsche und andere rote Früchte, feine Würze, Nachhall, eine Trinkfreude!

Hubert Lamy 2008 Saint-Aubin 1er Cru Les Frionnes – klasse Wein aus dem Burgund, sehr cremig, fest am Gaumen, gut strukturiert, zarte Holznoten, elegant, top

Muratie Lady Alice rosé brut und L´Ormarins brut classique rosé – 2 südafrikanische Sekte im direkten Vergleich… bei mir hat Muratie klar die Nase vorn

Egerts AdvEnte

DER Tipp für einen Adventssonntag im Rheingau: das Entenessen bei Egert in Hattenheim. Eine perfekt gegarte Ente zum moderaten Preis, das macht in netter Runde mehr als Spass! Dazu die sehr ordentlichen 2016 und 2017 Wisselbrunnen Spätlesen trocken im direkten Vergleich (ganz klar 2016!) und überdies das sehr imposant gereifte 2013 Erste Gewächs, das jüngst zu Recht einen renommierten Preis gewonnen hat.

Bardongs VorHeiligabendWirtschaft

Mist, dass Bardong jährlich am 23.12. eine Eintages-Straußwirtschaft organisiert und ich das bislang irgendwie verbaselt hatte… war für ein Versäumnis. Das steht jetzt jedes Jahr auf meinem Programm!!! Leckere Quiches und dazu feinen Sekt, mehr braucht kein Mensch, vor allem wenn es um den phänomenalen 2014er Chardonnay und um den grandiosen 1998 Reserve geht… das sind beides Schaumwein-Majestäten, eine Zierde für den Rheingau!