• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Robert Weil, die 2016er

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Jahrgangsprobe? Jedenfalls nicht möglichst direkt nach der Füllung! Es hat auch seinen Charme, auf den Sommer zu warten, wie jetzt meine Verkostung nahezu aller aktuellen Weil-Weine gezeigt hat. Und es beginnt mit einem unerwarteten Paukenschlag!

2016 Rheingau Riesling trocken erweist silch als Einstiegswein nicht erwarteter Ernsthaftigkeit. Ein Wein mit Power, recht breiten Schultern, guter Fülle und bar jeder hervorstechenden Säure. Ein Wein mit „Schmackes“, der von den hohen Extraktwerten des Jahrgangs Zeugnis ablegt und trotz seiner Kraft einen animierenden Trinkfluss entfaltet. So gut hatte ich den „einfachen“ QbA in den vergangenen Jahren jeweils nicht in Erinnerung…

2016 Kiedricher Riesling trocken ist ein rassiger Ortswein, der von der wunderbaren Mineralik der Kiedricher Berglagen unterlegt ist. Recht filigran mit expressiver, aber nicht nerviger Säure. Ebenfalls mit hohem Trinkfluss ausgestattet und sofort nach dem nächsten Schluck kreischend…

2016 Klosterberg, Turmberg und Gräfenberg GG (Faßprobe)

Die drei Berglagen nebeneinander verkosten zu dürfen, entfaltet immer einen besonderen Zauber. Der Klosterberg wirkt dabei recht fest, nur fast ein wenig bodenständig-bäuerlich, aber dabei sehr präsent und verlangt für mich nach begleitender Hausmannskost. Her mit der Leberwurst! Ein runder, stoffiger Wein, dessen Finesse als Hintergrundmusik erkennbar ist. Was ihm fehlt, wird einem tatsächlich erst bewusst, wenn man den Turmberg auf der Zunge hat. Ein Wein von derart geschliffener Präzision, Rasse und Schärfe lässt den Klosterberg unverdient fast konturlos erscheinen. Ein vinologisches Schwert, das einem Samurai alle Ehren machen würde. Klasse! Der Gräfenberg (das erwartete GG vorab als Faßprobe!)  wird im September wieder einmal als Monument durch seine Saftigkeit und Fülle überzeugen, die 2016 – dem Jahrgang geschuldet – von einer betörenden Fruchtnote untermalt wird. Sehr animierend hält der Gräfenberg – wie ich das immer erwarte – auf wunderbare Weise die Waage zwischen Eleganz und Kraft.

2016 Rheingau Riesling Kabinett, das ist der süße „Sauf weg“-Wein des Weinguts. Herrliche Frucht, Saftig-süße Freude, Trinkspaß auf hohem Niveau bei 9 Prozent Alkohol, dank der Säure wunderbar belebend und animierend, jetzt sofort trinken oder 10 Jahre weg legen.

2016 Turmberg Spätlese und Gräfenberg Spätlese, beide zeigen auf eindrucksvolle Weise, zu was der Jahrgang 2016 fähig war. Kristallklar wie Gebirgswasser, feine Frucht, hohe Präzision, für mich ist es der Turmberg mit der höheren Trinkanimation dank feinstem Säure-Süße-Spiel. In jedem Fall zahlt sich die „Abrüstung“ der süßen Spätlesen beim Mostgewicht in einem Gewinn an Geschmack und Trinkfreude aus.

2016 Turmberg Auslese, Gräfenberg Auslese und Gräfenberg Auslese Goldkapsel,  war für ein Trio infernale! Auch wenn danach noch dickere Granaten kommen, so braucht doch kein Mensch mehr Süße und Konzentration als diese wuchtig-süße und dabei geschliffen feine Goldkapsel…

2016 Turmberg Beerenauslese, Gräfenberg Beerenauslese, Gräfenberg Eiswein, letzter gelesen am 7. Januar und für meine Geschmack in diesem jugendlichen Alter noch nicht mit ausreichend Eiswein-Typizität gesegnet, aber natürlich ein klasse Süßwein. Bin gespannt, ob die Erkennbarkeit als Eiswein mit den Jahren deutlich zunimmt. Dennoch, jetzt wird die Probe ob der Opulenz, Dichte und Süße zu einer echten Herausforderung. Und mein Herz schlägt in diesem jungen Stadium meist für den Turmberg mit der schmeckbareren Säure und der etwas geringeren Opulenz, das gilt auch für die eigentlich noch kaum verkostbare  2016 Gräfenberg Beerenauslese Goldkapsel sowie die beiden TBAs aus Turmberg und Gräfenberg. Ein Moment mit Monumenten am Ende der Bewertungsskala. Schnell noch ein Schluck Reparaturwein: Turmberg! Passt!

Aus dem Verkostungstagebuch

Y-Weine

Noch wartet Ahmet Yildirim, „Deutschlands einziger türkischer Winemaker und Sommmlier“, auf die Baugenehmigung, aber seine neue Vinothek und Weinbar in Eltville öffnet bisweilen schon ihre Pforten. Einmal reingeschnuppert und getrunken:

Y Rosé Sekt extra trocken – viel Erdbeere und Brombeere, auch ein wenig Cassis im Hintergrund, klare Frucht, süffig, für mich zu süss

Y Riesling Alte Reben trocken – unverkennbar Lorch, unverkennbar Schiefer, unverkennbar Schlossberg, klasse Weine aus einer exzellenten Steillage mit viel Steinobst als Aroma und einem kleinen kräuterigen Unterton, sehr fein!

Wein Lounge Höhn

Wir hatten größere Veränderungen befürchtet, als wir davon erfuhren, dass Familie Höhn das Konzept geändert hat, aber erfreulicherweise ist in der Freudenbergstraße 200 im Großen und Ganzen alles beim Alten geblieben. Neuer Name und ein paar neue Tapas-Gerichte auf der Karte, von denen wir bei allerersten Reinschmecken aber noch nicht völlig überzeugt waren, das muss nachverkostet werden….

2016 Sauvignon blanc

2016 Chardonnay – wie gewohnt untadelige Weine aus Dotzheimer Lagen, sehr klar und straight 

Graf Schönborn

Hier entwickelt sich die Weinlounge mit Vinothek und Weinbar zunehmend zum Treffpunkt, und das zu Recht. Die 2016er-Ortsweine waren für meinen Geschmack durchweg recht überzeugend, aber EINE Innovation im Sortiment ist besonders bemerkenswert:

2016 Von den Brunnen Riesling trocken – sozusagen eine Cuvée aus Marcobrunn, Wisselbrunnen und Nussbrunnen… noch frisch auf der Flasche muss der Wein bald nachprobiert werden. In jedem Falle in Ausrufezeichen aus dem Traditionsweingut!

Robert Weil, Kiedrich

2012 Turmberg Riesling Spätlese – ein Wucht!

Tröpfchenbewässerung zahlt sich aus

Der Klimawandel ist keine Fiktion, denn besonders steile Weinberge dürsten sichtbar. Bewässerungsanlagen könnten helfen, doch die größte Hürde lautet: Woher kommt das Wasser?

Die Antwort der Winzer auf den Klimawandel tropft aus schwarzen Schläuchen. Die Hessischen Staatsweingüter haben Ende Juni mit der Bewässerung einiger Parzellen in Hessens steilstem Weinberg, dem Rüdesheimer Schlossberg begonnen. Carsten Weiland, der Außenbetriebsleiter der Domäne Assmannshausen, sieht dem Weinberg schon vom weitem an, dass er dürstet. Die Hochleistungspumpe, die zwischen Binger Mäuseturm und Burg Ehrenfels auf dem Grund des Rheins liegt, fördert mit hohem Druck Wasser aus dem Binger Loch fast 200 Meter in die Höhe, wo es über ein System von Schläuchen tröpfchenweise den Rebstöcken zugeteilt wird. Ein ausgeklügeltes System, das aus Israel stammt und das über eine ausgefeilte Technik der Druckkompensation verfügt die sicherstellt, dass die Wassermenge an jedem Rebstock gleich groß ist.

Ein paar hundert Meter entfernt, im Rüdesheimer Rottland, müssen die Mitarbeiter der Staatsweingüter dagegen mühsam mit 5000 Liter-Tanks das Wasser aus einer öffentlichen Zapfstelle heranschaffen und in die Schläuche lenken, um dem dort wachsenden Cabernet Sauvignon-Rebstöcken ein gutes Wachstum zu ermöglichen. Gut 1100 Rebstöcke stehen dort, die binnen einer Stunde den Tank leeren. Als ideal gilt die Zugabe von zwölf Litern Wasser an einem Tag der Woche. Anders als bei Regen, der nur sehr langsam und sehr gleichmäßig in den Boden versichert, kommt dieses Wasser gezielt an den Wurzeln an.

Der Klimawandel lässt immer mehr Winzer über Bewässerungsanlagen nachdenken. In Rüdesheim haben sich schon das Bischöfliche Weingut und das Weingut Georg Breuer dem Projekt der Staatsweingüter angeschlossen und bewässern ebenfalls. Andere Weingüter wie Corvers-Kauter haben eigene Anlagen installiert. Wegen seiner Steilheit, der hohen Sonneneinstrahlung und dem durchlässigen Schieferboden, der Regenwasser nicht halten kann, ist der Rüdesheimer Berg für Bewässerungsanlagen prädestiniert, zumal Weine aus diesen Berglagen auch zu höheren Preisen abgesetzt werden können, die den Aufwand rechtfertigen. Wie notwendig er ist, belegt das Netz der Wetterstationen im Rheingau. Im April fielen in diesem Jahr an der Burgruine Ehrenfels nur 4,7 Liter Wasser je Quadratmeter. Im Vorjahr waren es 63 Liter. Seit dem Herbst vergangenen Jahres haben sich in den Weinbergsböden beachtliche Wasserdefizite aufgebaut.

Der Wassermangel lässt sich auch wissenschaftlich messen, beispielsweise über den Chlorophyll-Druck im Blatt des Rebstocks. „Man muss aber auch ein Gefühl dafür haben“, sagt Stefan Seyffardt, der für die Bewirtschaftung der Weinberge der Staatsweingüter verantwortlich ist. Und Erfahrungen. Die Staatsweingüter haben schon Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Kooperation mit Wissenschaftlern mit Bewässerung experimentiert, noch ehe in der Folge der trockenen Jahre 2003 und 2004 die Diskussion über die Bewässerung der Weinberge deutschlandweit an Fahrt aufgenommen hat.

„Ein Weinstock muss auch leiden“, heißt es zwar unter Winzern, die besonders hohe Qualitäten erzeugen wollen. Aber zu viel ist zu viel. In Weinbergen wie dem Rüdesheimer Berg sinkt dann nicht nur der Ertrag auf ein wirtschaftlich bedenkliches Niveau, während die Weinqualität dennoch mäßig bleibt. Vor allem aber kann Trockenstress in der Rebe dazu führen, dass sich im Wein später eine unangenehme Geschmacksnote, der „untypische Alterungston“ UTA, bildet. Zwar haben die Staatsweingüter auch in Rauenthal die Möglichkeit zur Bewässerung, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass dort die steilen Weinberge viel besser mit Wasser versorgt sind und viel besser lange trockene Phasen verkraften als der Rüdesheimer Berg mit seinen drei Renommierlagen Schlossberg, Roseneck und Rottland. Allerdings hilft viel nicht unbedingt viel. Seyffardt hält auch die Dosis für entscheidend. Dem Rebstock dürfe nur so viel Wasser gegeben werden, dass er sich nicht an die regelmäßige Zufuhr gewöhne. Im Extremfall könne die Wurzel unerwünscht nach oben wachsen, weil sie dort leichter an das Wasser aus den Schläuchen kommt anstatt möglichst tief in der Erde.

Die wichtigste aller Fragen ist allerdings: Woher das Wasser nehmen? An den Rheinstrom dürfen die Staatsweingüter nur mit einer Ausnahmegenehmigung, die sie gemeinsamen Versuchen mit der Forschungsanstalt Geisenheim verdanken. Der Wasserstraße Rhein generelle Wasser für kommerzielle Zwecke zu entnehmen, das geht nicht, zumal lange trockene Zeiträume in der Regel auch einen niedrigen Wasserstand im Rhein bedeuten. Auch neue Brunnen zu bohren ist nicht so einfach. Und alte Brunnen und Schürfungen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr für die Trinkwassergewinnung genutzt werden und die es im Taunus öfter gibt, sind im Rheingau die rare Ausnahme.

Die Bewässerung von Weinbergen gilt nicht nur bei den Staatsweingütern neben der Terrassierung von Weinbergen und der zunehmenden Automatisierung und Technisierung der Bewirtschaftung als wichtiges Instrument, den Weinbau in den Steillagen dauerhaft zu erhalten und damit auch das Gesicht der Kulturlandschaft zu wahren.  Und der Rheingau ist keine Ausnahme. Am Scharlachberg bei Thüngersheim im Landkreis Würzburg wurde im vergangenen Jahr eine Pilotanlage zur dezentralen Bewässerung von Weinbergen in Betrieb genommen. Mit ihr will die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim zeigen, dass Tröpfchenbewässerung wasserschonend und geldsparend möglich ist. (leicht gekürzte Fassung meines Berichts für die F.A.Z.)

Trenz gewinnt 13. Schoppen-Trophy

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser ehrt Sieger in Johannisberg

Der Weinjahrgang 2016 hat die Rheingauer Winzer durch Wetterkapriolen und die Bedrohung durch den falschen Mehltau zwar vor einige Herausforderungen gestellt, der Region aber dennoch viele gute Trink- und Schoppenweine beschert. Die große Blindverkostung des Rheingauer Weinschmeckers, an der fast 30 Winzer und Weinfachleute mitgewirkt haben, hat die Einschätzung des Weinbauverbands zum neuen Jahrgang bestätigt.

Den besten Schoppen trinkt der Weinfreund in dieser Saison im Rheingau in der Schänke und im Innenhof des Weinguts Trenz in Johannisberg. Die höchste Punktzahl unter 36 angestellten Weinen – zehn Prozent mehr als im Vorjahr – nimmt Winzer Michael Trenz als Bestätigung seines Qualitätsstrebens. Trenz ist erst der zweite Winzer, der sich zum zweiten Mal in die Siegerliste eintragen konnte. Es war gewissermaßen ein Erfolg mit Ansage, denn im Vorjahr hatte das Weingut den dritten Platz belegt, was laut Weinschmecker-Autor und Trophy-Organisator Oliver Bock eindrucksvoller Beleg für die hohe Konstanz bei der Erzeugung von Qualitätsweinen ist.

Bei der Blindverkostung im Tagungszentrum Sickinger Hof des Weingasthauses Rüdesheimer Schloss in Rüdesheim setzte sich Trenz mit knappem Vorsprung gegen das Geisenheimer Weingut Schumann-Nägler und das Winkeler Weingut Allendorf durch, die gemeinsam auf den 2. Platz kamen. Dritter wurde das Martinsthaler Weingut Keßler mit einer „Martinsthaler Wildsau“ trocken. 

Das Weingut Trenz bewirtschaftet auf 85 Prozent der Rebfläche, auf zwölf Prozent Spätburgunder und auf drei Prozent Weißburgunder. In der Lage "Johannisberger Hölle" wachsen auf verwittertem Quarzit Rieslinge mit ausgeprägter Mineralität. Die Spätlesen der Lage "Johannisberger Vogelsang" werden durch Aromen von Maracuja oder reifer Birne geprägt. Das Weingut legt vor allem Wert auf fruchtbetonte, finessenreiche und elegante Weine.

Insgesamt wurden die 36 Weine von 28 Juroren blind geprüft und nach einem 20 Punkte-System bewertet.

Der Jury gehörten Vertreter der teilnehmenden Güter, Gastronomen, Weinjournalisten, Vertreter der Weinbranche und der Verbraucher an, darunter auch die Rheingauer Weinkönigin Stephanie Kopietz.

Die Siegerehrung nahm die Staatssekretärin im hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Beatrix Tappeser, vor. Sie lobt das Ziel des Wettbewerbs, nämlich die Qualität im Rheingauer Weinbau weiter zu fördern, dabei den Blick auf die umsatzstarken Basisweine zu legen und für die Weinbauregion zu werben.

Das Ergebnis der 13. Schoppentrophy:

  1. Platz

Weingut Trenz, Johannisberg

2016 Rheingau Riesling trocken „Basic“

  1. Platz

Weingut Allendorf, Winkel

2016 Rheingau Riesling trocken

UND

Weingut Schumann-Nägler, Geisenheim

2016 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz

Weingut Keßler, Martinsthal

2016 Martinsthaler Wildsau Riesling trocken

  1. Platz

Dienst, Hochheim

2016 Dorotheenhof Riesling trocken

  1. Platz

Hanka, Johannisberg

2016 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Diefenhardt, Martinsthal

2016 Rheingau Riesling trocken

Mitter-Velten, Hochheim

2016 Daubhaus Riesling Kabinett trocken

Crass, Erbach

2016 Rheingau Riesling trocken

Laquai, Lorch

2016 Rheingau Riesling trocken

F.B. Schönleber, Winkel

2016 Rheingau Riesling trocken

Allendorfs Goethewein

Allendorfs Goethewein

Eines der Gründungsmitglieder des VDP Rheingau, die Gutsverwaltung Brentano in Winkel, ist schon seit vielen Jahren nur noch Weingeschichte. Das einst rund zehn Hektar große Weingut, das schon lange nicht mehr zu den ersten Adressen der Region gehörte, ist untergegangen, viele Rebflächen gingen an Schloss Vollrads. Inzwischen hat die Familie auch das romantische, 1751 erbaute Brentanohaus an das Land Hessen verkauft, das für eine große Stange Geld die Sanierung eingeleitet hat. Das Brentanohaus, 1806 von der Familie Brentano übernommen, äußerlich schon renoviert, wird in den nächsten Jahren auch durch seine sagenhaften „inneren Werte“ zu neuer Blüte reifen. Dem „Goethewein“ ist das schon gelungen. Der hauseigene Weinberg ist ebenso wie die Schänke des Brentanohauses von der Familie Allendorf gepachtet worden. Die Weinberge sehen seither (auch dank einer kleine Schafherde!) wieder sehr gepflegt aus, verbrachte Flächen wurden neu bestockt.

Uli Allendorf und Max Schönleber haben den geglückten Neustart genutzt, um tief in die Schatzkammer zu greifen als Hommage an die Winkeler Weinberge, vor allem den Hasensprung, der schon seit 200 Jahren zu den besten Lagen der Region zählt. Ein auserwählter Kreis hatte die Chance, 42 Weine in 13 Flights zu verkosten. Imposant. Mit dem 2016 Goethewein ist das Weingut in jedem auf dem richtigen Weg: Trockener, straffer, präziser als das 2015er-Erstlingswerk.

Ein toller Überblick bot die Vertikale der Großen Gewächse aus dem Jesuitengarten (2013- geplant 2016), Hasensprung (1990 wow!, 2000 kaum zu glauben für den Jahrgang!, 2015 GG und 2016 geplant GG) sowie Rüdesheimer Roseneck (2010 EG… dieser Jahrgang wird ein Klassiker!!!, 2011 EG, 2015 GG und 2016 geplant GG).

Doch das war schon fast Beiwerk der Probe, wenn auch notwendig, um das aktuelle Potential der Lagen beispielhaft aufzuzeigen. Zu Sache ging es bei den alten Kameraden, darunter auch einige Brentano-Weine, die im direkten Vergleich aber gegenüber Allendorf meist blass blieben. Ein Beispiel der 1966 Hasensprung Eiswein von Brentano, der wenn nicht korkig, dann in jedem Fall muffig war, während der 1966er Edelmann-Eiswein von Allendorf sehr elegant und mit pikanter Säure glänzte. Ein anderes Bild boten die beiden Auslesen: Allendorfs 1990er Jesuitengarten leider bei längerem Luftkontakt sehr blumig, kräuterig und mit den von mir nicht geliebten Liebstöckl-Aromen, während Brentano für den Jahrgang 1985 eine ordentliche Leistung bot, recht saftig. Die Verkostung 12 Auslesen (1970, 1971, 1973 und 1976) einen fast einmaligen Blick zurück in die siebziger Jahre. Erstaunlicherweise hinterließen die 1976er und die 1973er den schwächsten Eindruck, während 1971 glänzte und 1970 die Stärken eine vermeintlich kleinen Jahrgangs voll ausspielte: Gute Säure! Mein klarer Favorit aber war die 1971 Hasensprung Auslese von Allendorf.

Der besten Flight bestand aus vier Beerenauslesen der Jahre 1971 (ganz großartig, perfekt!), 1976 (rauchig, torfig, finessenhaft, fein), 2002 (sehr gradlinig, cremige Feinheit, Eleganz) und 2015 (süßer Embryo!), den konnten trotz ihrer Mächtigkeit auch die 3 TBAs der Jahre 2003 (könnte in einigen Jahren großen Spaß bereiten) und 2011 und 2015 (beide noch viel, viel zu jung) nicht in den Schatten stellen.

Ein Höhepunkt am Rande: 2014 Höllenburg Spätburgunder GG (Finesse, Veilchen, unverkennbare Lagenaromatik!) vs. 1999 Quercus Superior (der Arnold Schwarzenegger unter den Rheingauer Pinots!) vs. 1975 Clos de Vougeot Grand Cru (so macht auch mir Bordeaux richtig, richtig Spaß!) und 1959 Assmannshäuser Spätburgunder (unfassbar frisch, elegant, kaum Säure, aber dafür berauschende, klare Frucht, herrlicher Abgang, als derart gereifter Pinot nicht erkennbar, großer Wein!)

und war war sonst noch....?

Georg Breuer, Rüdesheim

2015 Orleans – eine historische Rebsorte (wie Weißer Heunisch u.a.), die vom Weingut Breuer verdienstvoll gepflegt wird. Das ist nicht nur Nostalgie, denn der Wein ist lecker. Ein wenig rustikal vielleicht, ich würde ihn als „Bauern im Sonntagsanzug“ beschreiben, guter Zug, druckvoll, perfekt zur Vesperplatte, zu zünftiger Hausmannskost, vielleicht zum Leberwurstbrot! Zu Schinken allemal.

2016 Rüdesheim Estate Riesling – kaum zu glauben, wie früh im Jahr diesmal die Breuer-Weine schon zugänglich sind. Ein Wein mit großer mineralischer Strahlkraft, sehr präzise, geschliffen, direkt, unverblümt Riesling, große Trinkfluss, animierend!

Schloss Reinhartshausen, Erbach

Gut, dass sich Familie Lergenmüller mit Familie Balzer auf die Fortführung der Partnerschaft in der Schlossschänke Reinhartshausen geeinigt hat. Vom Ambiente und vom Speisenangebot einfach empfehlenswert. Hier kann die Seele baumeln. Bei den Weinen scheint das Weingut mit dem Jahrgang 2016 allerdings nicht eine besonders glückliche Hand gehabt zu haben. Die trockenen Literweine fallen jedenfalls eher befremdlich aus. Deutlich besser aber steigerungsfähig sind die Weine von der Insel, also 2016 Inselsatz (Auxerrois, Riesling, Silvaner), 2016 Sauvignon blanc und 2016 Weißburgunder & Chardonnay… am besten gefiel mit 2015 Weißburgunder Reserve, während es dem 2015 Chardonnay „Thanks Bob“ ein wenig an Struktur, Finesse und Schmelz fehlt.

 

Blick in die Ortenau

Ein badisches Kleinod mit einigen bemerkenswerten Winzern, das ließ einen spannende Probe ausgewählter Weine erwarten. Die Überraschung vorweg: das hochgelobte Weingut Andreas Laible „putzte“ nicht – wie nach der Buchform zu erwarten – alle anderen weg… vielmehr gefielen mir im direkten Vergleich die Weine von Andreas Männle fast durchweg besser…

Laible: 2015 Riesling „Achat“ VDP1.Lage, 2015 Riesling „Am Bühl“ VDP.GG, 2015 Chardonnay „Am Bühl“ GG

Männle: 2015 Durbacher Klingelgarten Riesling, 2015 Durbacher Bienengarten Chardonnay und 2013 Spätburgunder

Oberkircher Winzer: 2014 Weißburgunder Royal Barrique und 2014 Spätburgunder Spätlese Alte Reben

WG Durbach 2014 Spätburgunder Durbacher Kochberg

Unter dem Strich sehr bemerkenswert waren aber die beiden Weine der Oberkircher Winzer, vor allem der cremige, volle, feine Weißburgunder sorgte für eine Aha-Effekt! Hut ab! Mit 24 Euro aber auch kein Schnäppchen… Laible Chardonnay GG kostet dagegen nur 21 Euro…

Wandern und genießen

Auf dem Flötenweg

Rund 3000 Besucher oder mehr sprechen eine deutliche Sprache. Der Flötenwanderweg zwischen Hallgarten und Schloss Johannisberg ist als Wanderwegenetz beliebt, und das gut organisierte „Wandererlebnis Flötenweg“ haben neben „Natur pur“ in Hattenheim (3. Oktober), der „Bubenhäuser Weinrunde“ (Pfingstmontag) und der „Eibinger Weinwanderung“ (Seit 1989, 10 Winzer, 5 km, Anfang Juni) einen festen Platz im Kalender erobert. Sein Nachteil ist natürlich, dass er kein Rundweg ist, sein Vorteil, dass bei rund zehn Kilometern das Gehen nicht zu kurz kommt.  Wir haben diesmal nur einen kleinen Teil davon unter die Sohlen genommen, sind dafür vom Geisenheimer Bahnhof über den Johannisberger Weinprobierstand (schöner Platz mit schönem  Blick!) auf den Johannisberg gewandert und in Höhe Mittelheim wieder talwärts abgebogen. Am „Wegesrand“ fanden wir gleichwohl etliche gute Tropfen, beispielsweise 2015 Hölle Kabinett trocken und 2015 Kilzberg Spätlese „Alte Rebe“ vom Weingut Abteihof, ferner 2016 Gelblack Riesling trocken vom Schloss Johannisberg, das 2014er „Dachsfilet“ vom Prinz vom Hessen, die ganze Palette feiner Weine von F.B. Schönleber, vornehmlich 2016 Klosterberg Alte Reben trocken, und 2016 Edition Mittelheimer Edelmann feinherb, schließlich alle Charakterköpfe von Corvers-Kauter, darunter der 2015 Berg Schlossberg Riesling, ein animierender Riesling mit hohem Trinkfluss und Wow-Effekt, großartig!

Champagner trifft Erdbeere

Hummer und Chablis, das geht gut, aber Erdbeere und Champagner nicht minder. Andreas Schneider vom Bio-Obsthof Schneider in Nieder-Erlenbach, hart an der Grenze zur Wetterau, hat das Experiment jetzt gewagt, und die Premiere bei Kaiserwetter auf dem 1965 gegründeten Hof war verheißungsvoll. Hier wird nicht nur Apfelweinkultur auf höchstem Niveau zelebriert, sondern seit 1994 der kontrolliert-biologische Anbau von mehr als 250 Obstsorten gepflegt (und seit 1999 gibt es schon die stilvolle Schoppenwirtschaft…!) Dazu gehören natürlich auch Erdbeeren, und nicht weniger als acht Sorten wurden jetzt zu vier Champagner aus dem Angebot des kleinen Frankfurter Handelshauses 2Drieux probiert:

Thomas Perseval Premier Cru Grande Cuvée

Vadin-Plateau Renaissance extra brut Premier Cru UND Rosé brut sowie

Rémi Leroy brut …

letztgenannter, war, um es vorweg zu nehmen, der klar Beste, was allerdings daran liegt, dass meine Champagnerlust proportional mit dem steigenden Anteil von Schwarzriesling (Pinot Meunier) abnimmt ! Ausgewogene Cuvées (ausschließlich) aus Chardonnay und Pinot Noir sind für mich hingegen unschlagbar! Phänomenal, wie Schneider mit Herzblut die passenden Erdbeeren dazu ausgewählt hat… ein Genuss-Erlebnis, wie unterschiedlich die Aromatik ist und wie sie jeweils auf die Säure des Champagner reagieren…. Ansonsten muss gesagt werden, dass Schneiders 2013 Goldparmäne Barrique, 2013 Kaiser Wilhelm und Diebweg wieder das Beste darstellen, was ein Apfel werden kann ! Respekt !

Aus dem Verkostungstagebuch

Allendorf, Winkel

2013 Sakrileg Riesling trocken…. nach langer Pause gab mir Uli Allendorf mal wieder die Chance, diesen Wein zu verkosten, denn ich schon kurz nach der ersten Füllung probieren durfte. Der Tropfen entwickelt sich phänomenal gut, 2013 zeigt die Jahrgangsstärke bei der Reifung, ein straffer, dabei druckvoller, gleichwohl sehr komplexer Riesling, an dem man sich festtrinken kann. Flüssiger Gesprächsstoff von der ganz feinen Sorte!

Keßler, Martinsthal

2007 Sonnenberg Spätlese trocken und 1988 Taubenberg Spätlese trocken… dazwischen liegen fast 20 Jahre, und dennoch zeigen beide Weine auf ihre Weise das Alterungspotential der Rebsorte Riesling. Vor allem 1988 überrascht mit allenfalls moderater Firne, gutem Zug und Finesse, während 2007 das warme Jahr widerspiegelt, aber nach 10 Jahren ist der Wein absolut top!

Diefenhardt, Martinsthal

2015 Schlenzenberg GG sowie 2013 und auch 2012 Langenberg, jeweils Riesling GG, das ist eine Vertikale, die große Freude bereitet! Präzise auf den Punkt vinifiziert, Charakterweine mit Finesse und von moderater Kraft, dabei feine mineralische Noten, gute Frucht, Eleganz!

Bubenhäuser Weinrunde

… gehört einfach an jedem Pfingstmontag genau so wie „Natur pur“ an jedem 3. Oktober und die „Flötenwandertage“ am Wochenende nach Pfingsten ins Pflichtprogramm des Wein-Wanderers, auch wenn die Spitzenwinzer in Rauenthal eher rar gesät sind. Dafür schmeckten bei besten Wetter rund um die Bubenhäuser Höhe der 2016 Schiefer Riesling trocken und 2016 Weißburgunder trocken von Laquai (Langehof!), der 2016 Baiken Crescentia Riesling trocken und 2015 Gehrn Crescentia Riesling trocken der Staatsweingüter sowie 2016 Riesling Kabinett trocken und 2016 Grauburgunder trocken von Ernst Rußler jeweils perfekt, und die frisch gebratene Forelle bei Laquai war der passende Schmaus dazu… neben der Bratwurst bei Rußler… see you 2018

Weinbar im Favorite, Mainz

Das Mainzer Parkhotel hat die alte, rustikale Bierschwemme durch eine stylishe Weinbar ersetzt, gut so! Ob dazu auch ein I-pad als Speise- und Getränkekarte gehören muss, sei einmal dahingestellt (funktioniert aber tadellos). Die Speisen sind frisch und gut auf die reiche Weinauswahl abgestimmt, hier findet jeder was, aber natürlich nicht alles. Die Weinpreise sind sehr, sehr ambitioniert, 105 Euro für eine Flasche der vermeintlich besten Rheinhessen, das ist nicht mein Ding. Aber man findet durchaus auch einige interessante Tropfen zu akzeptablen Bedingungen, wie dieses verkostete Trio, natürlich aus Rheinhessen, wenn der Rheingauer schon einmal auf der ebsch Seit ist…

Riffel 2008 Riesling Quarzit trocken – wirklich fein, mineralisch, elegant!

Wechsler 2013 Riesling „Benn“ trocken – straff, guter Trinkfluss

Knewitz 2016 Sauvignon blanc – sehr rebsortenypisch, sehr klar, gut

und sonst….?

Robert Weil 2006 Gräfenberg Riesling Spätlese… was für ein perfekter Wein zu einer Romeo y Julietta Robusto Zigarre… !

Bourchard-Finlayson 2015 Chardonnay … einer meiner Favoriten für feinen Pinot Noir und Chardonnay in Südafrika… und jede neue Flasche ist ein neuer Beleg dafür !

Balthasar Ress 2016 Hallgartener Riesling VDP-Ortswein, 2015 Oestricher Riesling VDP.Ortswein, 2014 Schloss Reichartshausen Riesling fruchtsüß (perfekt zur Zigarre!) und 2013 Engelmannsberg VDP.1.Lage Riesling trocken… wie schön, wenn sich Top-Erzeuger ganz unprätentiös am Weinprobierstand – hier Hattenheim – präsentieren und einen netten Querschnitt des Sortiments vorstellen. Das macht Laune am Rheinufer, und der 13er Engelmannsberg zeigt sich als wirklich feiner Wein mit monströsem Trinkfluss und Finesse, hätte ich gern im Keller….

Tanz um ein Nischenprodukt

Zum dritten Mal fand das Internationale Riesling Symposium im Rheingau statt, das erste Mal im Kloster Eberbach. Eine gute, gelungene Veranstaltung, auch wenn Riesling weltweit nun einmal eine kleine, nicht mehr wesentlich wachsende Nische (Platz 18 unter den Rebsorten weltweit!) bedient und von einem globalen Siegeszug nun wirklich keine Rede sein kann, das zeigte einmal mehr der Vortrag von Professor Andreas Kurth, Geisenheim. 50.000 Hektar weltweit, davon fast 24.000 in Deutschland, das ist nicht viel angesichts von 4,6 Millionen Hektar weltweit! Zudem ist die weltweite Nachfrage nicht eben groß, die Qualität so heterogen wie das Preisniveau, die Fassweinpreise erschütternd niedrig und viele Weingüter für eine profitable Produktion nach wie vor viel zu klein.

Für hitzige Diskussionen sorgte Weinbauprofessor Manfred Stoll mit seiner These, dass „Alte Reben“-Weine nicht besser sind als andere, und er kann das mit Weinen auf Rebstöcken belegen, die 1971, 1995 und 2012 gepflanzt wurden und identisch ausgebaut werden. Ob damit ein Mythos der Weinwelt entzaubert wurde, ist höchst umstritten. Ein ob dieser Thesen höchst empörter Roman Niedwodniczanski ( Van Volxem) schwärmte mir jedenfalls im Foyer von seinen Weinen aus alten Reben vor (90 Jahre!) und widersprach der Wissenschaft entschieden. Ich selbst bin da unentschieden… Jedenfalls hat sich die Darbietungsform der „Lesungen“ überholt… da wären moderne Formate gefragt! Auch die Proben wurden zu langwierig gestaltet. Inhaltlich aber klasse. Dieter Greiner öffnete die Schatzkammer und präsentierte Steinberger-Weine, trockene aus den Jahren 1943 (absoluter Hammer!), 1953 (ganz groß!), 1964 (imposant!) sowie 2007, 2009 und 2015, ferner den 1959er Jahrgang von Cabinet bis zur TBA. Lehrreich auch die Probe Riesling weltweit, wobei mir die Australier mit ihrer aufgesetzt wirkenden Säure nicht sehr gut gefallen haben, viel besser USA (bps. 2015 Eroica von Ste Michelle, verlässlich das barocke Elsass, ganz überraschend das feine Kanada (Cave Spring Cellars), klasse Österreich (Lesehof Stagard, messerscharf präzise!) und Gut Hermannsberg (Rothenberg GG, klasse).

Interessant am zweiten Tag, der leider mit Verspätung begann, war die Probe von 31 Großen Gewächsen der Jahre 2012 bis 2015. Ganz besonders gut gefielen mit dabei Maximin Grünhaus 2015 Herrenberg GG, Fritz Haag 2015 Juffer GG, Nik Weis 2015 Saarfeilser GG, Ress 2015 Rottland GG, Wegeler 2015 Rothenberg GG (outstanding!), Wittmann 2015 Morstein GG, Dautel 2015 Steingrüben GG, Heger 2015 Schlossberg GG, Kühn 2014 Doosberg GG, Weil 2013 Gräfenberg GG und Loosen 2012  Würzgarten GG

Weinwandern

ist immer eine meiner Leidenschaften, auch wenn die Wege bei großer Hitze naturgemäß etwas kürzer werden, diesmal ging Hiking & Wining vom Bahnhof Assmannshausen zu Robert König, dann weiter zu Friesenhahn, wieder zurück zu Thilo Strieth und dann über den Niederwald am jüngst neueröffneten Rebenhaus (geschlossen!) vorbei zu Breuers Rüdesheimer Schloss. Ich kann Strieths „2016er Saxum“, Friesenhahns neuen, geschliffen trockenen „Riesling A“ und den trockenen 2016 Weißherbst von König nur empfehlen (2015 Rüdesheim Estate von Breuer ohnehin) ! Bei  König verwirrt mich allerdings das Sortiment. Hier schmeckt vieles ähnlich (gut), und die Abstufung der Roten ist – auch auf der Zunge - völlig unklar. Vor allem die Unterschiede zwischen einem trockenen Kabinett-Spätburgunder aus dem Frankenthal (96 Oechsle!!!!!!!!) und der trockenen Spätlese (97 Oechsle !!!!!!!!) ist rätselhaft. Wo bleibt das Sinn und Verstand. Dann lieber den 2014 Pinot Noir B, das ist geradlinig, klar und  perfekt! Übrigens warten auch bei Strieth ein paar echte Kracher darauf, den Weinfreund zu begeistern, bsp. 2015 Höllenberg. Top!

Ball & Sekt

Ball des Weines

… eine Konstante im gesellschaftlichen Weinleben der Region! Kompliment an Vera Jung und Team, auch an Käfers, der im Ballsaal sensationell aufgetischt hat. Natürlich gab es hinterher wieder die Beschwerden über lange Schlangen und allzu dichtes Gedränge (stimmt bisweilen auch…), aber das ist wohl Schicksal… Ich hatte jedenfalls einen vergnüglichen Abend, zu dem diese Weine insbesondere beigetragen haben:

Rudolf May 2013 Sylvaner ´63 und Zur Schwane Silvaner Am Lumpen 1655 GG, Paul Weltner 2014 Rödelseer Küchenmeister VDP.1.Lage, alle drei ganz großartige Vertreter ihrer Zunft! Ein Hoch auf den Silvaner!

Hessische Staatsweingüter 2011Steinberger TBA, flüssiges Gold zum Dessert, aber dieser Honig braucht keine Begleitung, das gilt übrigens auch für 1976 Marcobrunn Riesling Auslese!

Schloss Westerhaus 2013 Spätburgunder GG – sehr beachtlich, in Westerhaus tut sich was, und die Resultate sind beeindruckend…

Burg Ravensberg 2012 Dicker Franz Blaufränkisch, mann ist der dick, mann, der Dicke Franz! Klasse Lemberger wie ich ihn liebe!

Christmann 2012 Deidesheimer Paradiesgarten VDP.1. Lage, sehr fein, süffig, guter Trinkfluss

Dr. Wehrheim 2014 Mandelberg Weißburgunder GG – ein überragender Weißburgunder mit Schmelz und Finesse, läuft !

Leitz 2011 Rüdesheimer „Katerloch“ Riesling – fulminant gereift!  

Deutscher Sekttag

Der deutsche Sekttag ist ein bewährtes Marketinginstrument der deutschen Sektbranche, und der Rheingau hat das Glück, mit Ohlig, Reuter & Sturm, Schloss Vaux und Rotkäppchen-Mumm (mit dem gesamten Portfolio von MM bis Geldermann) auch nach der Auflösung der Rüdesheimer Weinkellerei noch immer gut „versorgt“ zu sein, nicht zu reden von Henkell & Co. in Wiesbaden (neue Sektmanufaktur) und den großartigen Rheingauer Sekterzeugern wie Barth, F.B. Schönleber, Bardong und anderen… Bei Vaux haben mir diesmal der Rosé, der Weißburgunder, der Sauvignon blanc (alle brut, klaro!) sehr gut gefallen, nicht zu vergessen den Grünen Veltliner, für den Koegler den Grundwein stellt. Bei MM bot Rotkäppchen-Mumm diesmal mit Carte Blanche und Rosé auch zwei Sekte von Geldermann an, die sich sehr ordentlich auf der Zunge präsentierten, dennoch fehlten die Topsekte der badischen Manufaktur, was einfach schade war und ist….

Wenn einem also Gutes widerfährt

Die Asbach-Story

In 125 Jahren ist Asbach ist nicht nur Gutes widerfahren. Um mit deutschem Cognac den Franzosen Paroli zu bieten, gründete Hugo Asbach im Mai 1892 die Rüdesheimer Weinbrennerei. Das war Anlass für eine würdige Feier im Asbach-Besucher-Zentrum in Rüdesheim. Zu einem feine Menü gab es Georg Breuer 2015 Rüdesheim Berg Rottland Riesling und 2012 Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter, dazu wurde die 125 Jahre- Asbach - Jubiläumscuvee vorgestellt aus bis zu 60 Jahre alte Destillaten. Sehr weich am Gaumen, gute Länge, Nussig, Lakritz und Mandel, aber auch Muskat. Gut gelungen. Und hier nun die Asbach-Story:

Wenn einem also Gutes widerfährt, das ist schon einen Asbach Uralt wert.“ Zwei Generationen sind mit diesem Werbespruch groß geworden. Ein namenloser, väterlich dreinblickender Asbach-Genießer war neben Käseverkäuferin Antje aus Holland, Spülmittelexpertin Tilly und Waschweib Klementine in den Wirtschaftswunderzeiten dank ausschließlich öffentlich rechtlichem Fernsehen ein häufiger Besucher in den bundesdeutschen Wohnstuben. Erstmals ausgestrahlt Ende der fünfziger Jahren blieb das Loblied auf den „Geist des Weines“ einer der eingängigsten Fernsehspots bis in die achtziger Jahre. Einer Marktstudie jener Zeit zufolge hatte Asbach damit einen Bekanntheitsgrad von 86 Prozent erreicht.

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte einer der bekanntesten deutschen Marken am 11. Mai 1892. An jenem Tag vor 125 Jahren gründete ein aus Köln stammender Destillateur, der damals erst 24 Jahre alte Hugo Asbach, die Rüdesheimer Weinbrennerei. Auf der rechten Seite des Rheins wollte er es den scheinbar übermächtigen Franzosen zeigen, denen er zuvor die Kunst der Cognac-Herstellung abgeschaut hatte. Aber erst als 1905 der geschäftstüchtige Kaufmann Albert Sturm als Partner bei Asbach einstieg, waren die Grundlagen für ein stürmisches Wachstum gelegt. Im Jahr 1908 wurde die Marke „Asbach & Co. Uralt“ in das Warenzeichen-Register bei Deutschen Patentamt eingetragen.

Der heute befremdlich klingende Zusatz „uralt“ war damals ein griffiger Hinweis auf die lange Reifezeit, die noch immer für jeden Brand ein Qualitätsmerkmal ist. Mit dem damals neuen Begriff „Weinbrand“ setzte Hugo Asbach seinen „deutschen Cognac“ bewusst von der scheinbar übermächtigen französischen Konkurrenz ab und baute auf das nationale Bewusstsein der Genießer in Deutschland. Dass der Versailler Vertrag 1919 den Deutschen schließlich die Nutzung des Begriffs Cognac – ebenso wie den des Champagner – gänzlich untersagte, konnte Asbach kalt lassen. Asbach hatte da schon Weinbrand als Begriff geprägt und erreichte, dass die Wortschöpfung 1923 ins novellierte deutsche Weingesetz aufgenommen wurde.

Ein genialer Schachzug war nur ein Jahr später die Erfindung der mit Asbach gefüllten Praline. Genial deshalb, weil der Genuss von Hochprozentigem in jener Zeit für Frauen als unschicklich galt. Versteckt und verpackt hinter Schokolade und Zucker war dieses gesellschaftliche Tabu leichter zu umgehen. Ein Schwips durch Naschen, das war neu. Und Asbach war fortan der weltweit einzige Spirituosenhersteller mit eigener Pralinenfabrikation.

Die Bedeutung einprägsamer Werbung erkannte Asbach ebenso früh wie die einer nachhaltigen Preispolitik und eines dichten Vertreter- und Servicenetzes. Bis heute werden von Gastronomen Geschichten erzählt, wie rührige Asbach-Handelsvertreter auch am Wochenende und nach Mitternacht bei Bedarf eine unerwartete schnell geleerte Drei-Liter-Flasche am Tresen gegen eine neue austauschten. Schließlich sollte Asbach das „Zeichen guter Gastlichkeit“ in Deutschlands Kneipen sein.

Der frühere, stark verschachtelte und nicht weniger als vier Hektar große Firmensitz gegenüber dem Rüdesheimer Bahnhof ist architektonischer Ausdruck der steten Expansion während der ersten 100 Jahre Firmengeschichte. Er ist heute auch ein Zeugnis des Niedergangs. Zunächst aber überstand Asbach alle Rückschläge und Krisen, auch die sieben Jahre währende Betriebsschließung zwischen 1943 und 1950 als Folge des Krieges und der Besatzungszeit.

Mit der Wirtschaftswunderzeit kehrt Asbach in den fünfziger Jahren schnell auf die Erfolgsspur zurück. Schon Mitte der sechziger Jahre wurde stolz verkündet, dass der Verkauf von Asbach-Flaschen höher sei als der aller Whiskys und Cognacs in Deutschland. Und Asbach entwickelte immer wieder neue Ideen wie den „Rüdesheimer Kaffee“ mit einem guten Schuss Asbach unter der frischen Sahne. Asbach war damals nicht nur mit rund zwölf Millionen Mark der mit Abstand größte Gewerbesteuerzahler Rüdesheims. Er war für die zweitweise mehr als 700 Beschäftigen auch ein guter Arbeitgeber, der viele Sozialleistungen und sogar Anwesenheits- und Sonderprämien bot. Es gab eine Betriebsfeuerwehr, einen Betriebsarzt, ein Kasino und einen Werkschor. In manchen Monaten besuchten mehr als 20.000 Neugierige Asbach und ließen sich die Produktion zeigen.

Eine Fundgrube der wechselnden Befindlichkeiten bei Asbach ist die Werkszeitung „Unser Betrieb“ die zwischen 1952 und 1997 erschien und deren vergnügliches Studium einer Zeitreise durch die Asbach-Geschichte gleichkommt. Darin werden auch Bedrohungen genannt wie die Erhöhung der Branntweinsteuer, die Einführung der Mehrwertsteuer zum Jahresbeginn 1968 und der anstehende, 1974 dann gesetzlich festgelegte Fall der Preisbindung für Markenartikel. Bis dahin durfte Asbach vom Handel nur zum Festpreis verkauft werden. Eine Bindung, die Asbach vehement verteidigte. Auch das sich vereinigende Europa besorgte die Geschäftsleitung. Von der Bildung des gemeinsamen Marktes aus sechs europäischen Ländern und dem Fall der Zollgrenzen erwartete Asbach nichts Gutes: Es „werden also noch mehr Waren als bisher auf den deutschen Markt strömen und damit auch den deutschen Verbraucher verwirren“, hieß es warnend. Und zu den im Geschäftsbericht von 1968 formulierten „fünf Hauptsorgen“ gehörten neben der wachsenden Konkurrenz und der Konzentration im Handel „die drohende 0,8 Promille-Grenze“ im Straßenverkehr, die 1973 dann Wirklichkeit wurde. Und obwohl sich die „Asbacher“ immer als eine für einander einstehende Familie sahen, kam die Geschäftsleitung nicht umhin, bisweilen „Unpünktlichkeit bei Arbeitsaufnahme und Arbeitsende, unerlaubtes Verlassen des Betriebsgeländes, Verstöße in der Behandlung der Stechkarten“ zu rügen und mehr Disziplin zu fordern.

Aus der Erfolgsspur brachte das Asbach aber nicht. Der Weinbrand schien vielmehr in aller Munde. Borussia Mönchengladbach feiert unter Trainer Hennes Weisweiler 1970 den deutschen Meistertitel mit Asbach; Helmut Kohl gönnte sich publicityträchtig im Jahr der Deutschen Einheit 1990 einen Rüdesheimer Kaffee; und von Sportstars wie Michael Schuhmacher und Michael Ballack wird berichtet, Asbach-Cola sei ihr bevorzugtes Mischgetränk. 1977 wurde die Rekordmenge von 23 Millionen Flaschen verkauft.

Es waren weniger der gesättigte Weinbrandmarkt mit der Folge von Absatzrückgängen sowie ein verändertes Verbraucherverhalten als die Uneinigkeit und die Renditeerwartungen der zunehmend verzweigten Gesellschafterfamilien Asbach, Sturm und Boltendahl, die schließlich zum Verkauf führten. Ende 1990 wurde Asbach zunächst mehrheitlich, 1993 dann vollständig an United Distillers, eine Tochter des britischen Guinness-Konzerns, veräußert. Der Unternehmenswert wurde damals auf die Höhe des Jahresumsatz von seinerzeit rund 460 Millionen Mark geschätzt. (gekürzte Fassung meines Textes für die FAZ vom 9. Mai)

Der angestrebte Imagewechsel der neuen Eigentümer misslang völlig, die Verkaufszahlen sackten ab. Die Folgen waren eine Restrukturierung sowie ein drastischer Abbau von Arbeitsplätzen. Als 1995 gar Pläne bekannt wurden, Asbach nach Holland zu verlagern, war der Aufschrei groß. Asbach und Rüdesheim, das galt und das gilt bis heute als unauflösliche Einheit. Mit dem Ankauf des alten Betriebsgeländes für den stark überhöhten Preis von sieben Millionen Euro durch Kreis und Stadt wurde der Verbleib von Asbach in einem 1997 neu errichteten Gebäude im Osten der Stadt teuer  bezahlt, ohne dass der Niedergang deshalb gestoppt wurde. Die Pralinenproduktion war schon 1996 an den Bad Reichenhaller Mozartkugel-Hersteller Reber verkauft worden.

Im Jahr 1997 fusionierte Guinness mit Grand Met zu Diageo, und 1998 schlossen sich United Distillers und die Weltmarken Import GmbH zu United Distillers & Vintners zusammen. Diese verkaufte 1999 Asbach an Bols Royal Distillers, die 50 Prozent der Anteile an die Semper idem Underberg AG weiterreichte. Bols seinerseits wurde wenig später von Remy Cointreau übernommen. Es waren aufregende Zeiten einer Branche im Umbruch. Underberg übernahm Asbach im Jahr 2002 vollständig. Ende der achtziger Jahre beschäftigte Asbach in Rüdesheim noch 550 Mitarbeiter, 2002 waren es 100, heute sind es ein Dutzend.

Der Geist des Weines ist dennoch lebendig, und soll sich nach der Strategie aus dem in Rheinberg beheimateten Haus Underberg wieder in neue Höhen schwingen. Qualität gilt dabei als Schlüssel. Bis heute wird in Rüdesheim die Kunst gepflegt, bis zu 25 Einzeldestillate zu einer Cuvée zusammenzuführen. In den kupfernen Brennblasen am Standort Rüdesheim wird seit einiger Zeit auch wieder gebrannt. "Wir sind die letzte Weinbrennerei, die noch in Deutschland brennt", sagt Asbach-Geschäftsführer Christopher Dellee, auch wenn das nur für etwa ein Viertel der Produktion gilt. Der größere Teil wird in Frankreich nach Vorgaben von Asbach hergestellt, weil dort die meisten Grundweine erzeugt werden. Die Reife erhält Asbach wie seit 1961 gewohnt in Ottersweier am Fuße des Schwarzwalds, wo rund 20.000 jeweils 300 Liter fassenden Eichenfässer lagern. Abgefüllt wird in Wilthen in Sachsen. Aber der Geist von Asbach lebt weiter in Rüdesheim.

Schlemmerwoche-Impressionen

10 Tage, 115 Teilnehmer, zufriedene Winzer, begeisterte Weinfreunde, die Rheingauer Schlemmerwoche ist auch nach 30 Jahren ein Erfolg, zumal Abwechslung durch neue Teilnehmer garantiert ist, darunter teils bekannte Namen (Leitz… top!), teils völlig unbekannte (Trinks-Trinks, wie bitte…?!?) Bewährt hat sich eine ausgedehnte Schlemmerwochenwanderung, weil zwischen den Schoppen jeweils eine ordentliche Gehstrecke liegt, in diesem Fall 18 Kilometer zwischen Eltville über Hallgarten nach Winkel.

Hirt-Gebhardt

das ist sie also, die neue Vinothek nebst großzügiger Probierstube, großer Terrasse mit Fernblick und Kellerei. Wenn die Eingrünung erst einmal hochgewachsen ist, sieht das Ganze sicher noch erträglicher aus. Doch der Standort ist einfach unglücklich gewählt. Ein prickelnder Startpunkt vor Ort: 2014 Rauenthaler Steinmächer Rosé brut, 2015 Rheingau Riesling brut und Filius Secco. Hier gibt es tatsächlich noch Sekt für weniger als 8 Euro und Schaumwein für unter fünf! Leider war der Geschmack genau entsprechend, der Sekt eher stahlig, eher dünn und eher säuerlich, der Rosé dagegen schmeckte nach einem Himbeerbonbon im Mund. Also den Blick genießen und weiter zu…

H.J. Ernst

(denn Offenstein öffnete unverständlicherweise auch am Sonn- und Feiertag erst nach 14 Uhr…das muss aber niemand verstehen…), seit vielen Jahren hat Familie Ernst mit Gosch-Fisch-Spezialitäten ein echtes Alleinstellungsmerkmal und stets übervolles Haus. Über die frisch gebratenen Garnelen und ein geschmackvolles Nordseekrabbenbrötchen geht als Vorspeise gar nix! Superb! Leider erleben wir bei den Weinen Jahr für Jahr ein wenig konstantes Auf und Ab. Der 2016er Sauvignon blanc hat allerdings durch reintönige Frucht und Eleganz durchaus gefallen, und er stellte den 2016 Riesling Kabinett trocken eindeutig in den Schatten

Steinmacher & Sohn

Ein Jammer, dass die rustikale Gutsschänke mangels Koch/ Pächter –hoffentlich nicht auf Dauer – geschlossen ist, aber natürlich müsste diese arg betuliche Gaststube auch innen und außen dringend mal modernisiert werden. Zur Schlemmerwoche der große kulinarische Lichtblick mit Eric Elbert (Ex-Gronesteyn) als Gastkoch, das war geschmacklich „erste Sahne“. Bei den Rieslingen sind es stets jene aus dem Klosterberg, und vor allem die Alten Reben, die mich am ehesten überzeugen

Kreis

in Hallgarten ist mit seiner phänomenalen Terrasse bei gutem Wetter stets eine Bank, die Rieslinge sind verlässlich und solide, auch wenn es noch Luft nach oben gibt. Der Frühlings-Flammkuchen dazu ein Genuss!

Bibo & Runge

nur ein paar Schritte weiter, überzeugt für mich nach dem heterogenen ersten Jahr mit jedem Jahrgang ein wenig mehr. Der 2015 Hargadun wirkt recht komplex und finessenreich, 2015 Revoluzzer ein tatsächlich großer Wein, der wir bald nochmal nachverkosten müssen….

Peter Jakob Kühn

Von Hallgarten fällt der Weg nach Oestrich leicht, und Kühn ist ein einnehmendes Ziel. Der 2016er Jacobus überzeugt mich zwar nicht ganz so wie 2015, aber 2016 Rheinschiefer und Quarzit sind beides großartige Rieslinge, Ortsweine par excellence. Hut ab ! Mehr davon!

Allendorf

Ein ideales Ziel, ob von Eltviller oder von Assmannshausen aus startend. Klasse Küche, top Weine, doch genug der Schoppen-Probiererei, eine Flasche 2016 Roter Riesling trocken muss jetzt her… top, irgendwie noch besser gelungen als in den Vorjahren

Lorch

Lorch mit dem Zug, das ist für mich stets der Höhepunkt der Schlemmerwoche! 6 Top- Winzer (von denen ich leider je nach Konstitution und Begleit-Team stets nur 4-5 schaffe…) in fußläufiger Distanz, das ist großartig. Diesmal ließ ich Kanitz und Laquai aus, dafür ging es los mit

Wurm/ Ottes

Die Transformation des Weinguts Ottes zu Wurm ist fast vollzogen, und die Küche konzentriert sich jetzt mit wachsemden Umfang auf spanische Gerichte. Natürlich müssen deshalb zum Riesling Tapas auf den Tisch, aber das nächste Mal ist die Paella dran, versprochen! 2016er sucht der Gast hier zwar noch vergebens, aber die 2015er haben sich prächtig entwickelt, allen voran der Lorcher Schlossberg und der Lorcher Riesling. Genial nach wie vor der 2015er Riesling Schiefer, der allerdings Luft braucht, um sich zu entwickeln.

Weiler

Das ist nach wie vor einer DER Geheimtipps im Rheingau mit einem wunderschönen Schiefer-Keller, den man gesehen haben muss. Wir haben die Karte (fast) rauf und unter probiert und sind wieder einmal sehr angetan, wobei unsere Lieblinge der betont mineralisch-würzige 2016 Pfaffenwies Kabinett „Quarzit“ und – mit leichten Vorsprung – der feinfruchtige 2016 Krone Kabinett „Schiefer“ mit seinem kühlen Zug und hoher Trinkanimation sind. Auch in diesem Weingut wären die alten Prädikate für die einprägsamen Terroirweine leicht verzichtbar, aber das ist ein anderes Thema. Sehr süffig mit feinen Pfirsicharomen ist die feinherbe Spätlese aus der Krone. Die trockenen Weine sind durchweg von saftiger Eleganz, auch wenn es hier und da etwas weniger Restsüße sein dürfte.

Mohr

Zu den feinen Speisen von Saynur Neher muss man eigentlich nicht mehr viel sagen, der zunehmend orientalische Touch hat dem Weingut insgesamt neuen Schub und einen überzeugenden Auftritt mit Alleinstellungsmerkmal gegeben. Unter den Weinen spielte diesmal der 2016 Weißburgunder trocken die Rolle des Primus.

Altenkirch

Nirgendwo lässt sich eine Lorcher Tour besser beschließen als bei Altenkirch. Nicht nur wegen der Nähe zum Bahnhof, sondern weil Jasper Bruysten großartige Weine erzeugt und weil Ronny Licht die richtigen Tropfen aus dem Keller holt: In unserem Fall 2009 Grauschiefer trocken und eine Flasche 2008 Lorcher Krone Riesling trocken. Klare Top-Weine zum fairen Preis, mit denen man Lorch in bester Erinnerung behält.

Erbach, unser nächstes Ziel..

Wenn ein Weindorf mit Lorch mithalten kann, dann vielleicht Erbach.

Jakob Jung

Die neuen Etiketten sind ein echter Hingucker und insgesamt sehr gelungen, ein mutiger Schritt in der Optik. Gut, dass auch die Weine verlässlich bis herausragend sind. Die Joker-Einstiegsweine sind eine schöne Visitenkarte der Weinguts, vor allem der geschmeidige, nicht zu kernige Riesling und straffe, fruchtige, geradlinige Blanc de Noir. Die Süße des Rosé macht den Wein sicher zum Verkaufsschlager auf allen Festen, mein Liebling wird er deshalb aber nie. Der VDP.Gutswein ist deutlich ernsthafter als die Joker-Variante, aber auch sehr kernig, herzhaft, etwas nervig geraten…nichts für Weicheier. Dagegen zeigt der Erbacher Riesling, wie gut die Ortsweine geraten können, eine echte Freude zum hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine sehr gute Idee war es, das Sortiment zu straffen und Weißburgunder und Chardonnay zu vermählen. Herausgekommen ist ein straffer, präziser Weißwein mit hoher Strahlkraft und von einnehmendem Wesen. Guter Trinkfluss. Dagegen mehren sich bei mir Zweifel, ob 2016 im Rheingau ein Sauvignon blanc-Jahr war… ich muss diesen Weinen mehr Zeit geben….  

Ein PS. aus der JUNG-Schatzkammer: 2007 Erbach Hohenrain Erstes Gewächs und 2008 Erbach Siegelsberg Erstes Gewächs. Beide großartig gereift mit Finesse, Schmelz und Eleganz, dabei unverkennbar ein Spiegel des  jeweiligen Jahrgangs. 2008 dabei mit ungeheurem Trinkfluss durch fein verwobene Säure, Spiel, Komplexität, Mineralität par excellence, da verlangt jeder Schluck nach dem nächsten...  

Heinz Nikolai

Immer ein verlässlicher Erzeuger mit guten Qualitäten, auch wenn mir nicht wenige Weine ein wenig zu süss geraten sind. Vielleicht gerade deshalb sind der 2016er Sandgrub Riesling mit seiner Frucht und Eleganz und vor allem der trockene Kabinett aus dem Hallgartener Schönhell mit seiner pikant-würzigen Art meine klaren Favoriten. Ebenfalls gut 2016 Primus Maximus, bei dem aber ebenfalls weniger Zucker mehr Charakter bedeuten würde. Die 2015er Ersten Gewächse scheinen gerade in einem Tief und wirken recht verschlossen, da heißt es: abwarten. Und zum Thema Sauvignon blanc siehe oben!

Jung-Dahlen

Der „Junge Dahlen“ hat in der Neugasse die „kleinste Vinothek des Rheingaus“ eröffnet, Kompliment für die Gestaltung!, und seine zweite Kollektion aus jetzt 6 Weinen vorgestellt. Die Weine zeigen eine übereinstimmende Stilistik, klare Frucht und Linie. Allerdings sind sie mir sämtlich zu süß geraten. Selbst der „Auftakt“-Riesling hat mehr als 8 Gramm Restzucker und wirkt so sehr weich und feminin. Für den durchaus ambitionierten Spätburgunder sind 5 Gramm RZ ebenfalls viel zu viel, und die Edition Duett aus Riesling und Chardonnay ist eine sehr interessante Cuvée, ihr Charakter aber durch die Süße stark verdeckt. Schade. Ein richtig trockener Charakterwein, das wäre eine Herausforderung!

Geisenheim

…natürlich zu Sohns. Schöner Neubau in angemessener Lage an einem Standort, der ohnehin für Aussiedlungen planerisch vorgesehen war. Es ist daher ein Unding von vermeintlichen Kulturlandschaftsschützern, alle Neubauten über einen Kamm zu scheren. Auch die Dimensionen bei Sohns schienen mir sehr angemessen. Und zur Eröffnung gab es als neue Kreation einen 2016 Riesling „Fegefeuer“ aus umliegenden Lagen, der präzise und geschliffen eine echte Trinkfreude ist. … und dann natürlich auch zu Leitz in die Rüdesheimer Straße: die neue Vinothek ist sehr imposant geworden, die Halle zeugt von einem Musterbetrieb, das muss man alles mal gesehen haben, und die Kollektion ist wirklich überzeugend, ich plädiere in jedem Fall für alles, was aus der Lage Kaisersteinfels offeriert wird...! Ebenfalls interessant: Werk 2 in der Behlstraße (gegenüber dem gerade abgebrannten Plattenladen!) Hier werden auf 0,5 Hektar 2000 Flaschen Wein erzeugt, darunter der 2015 Dreamweaver Riesling aus der Lage Hattenheimer Hassel, sehr ordentlich für das Hobby eines IT-Spezialisten... Zu Geisenheim gehört natürlich auch Johannisberg und damit

Chat Sauvage

...das nach dem Wechsel von Michel Städter zur Domäne Schloss Johannisberg jetzt unter neuer Leitung steht. Wir haben die verfügbaren Weine (und einige mehr) verkostet, und sind insgesamt sehr angetan. Die beiden Chardonnays "Rheingau" und "Clos de Schulz" aus 2015 können beide mit Schmelz und Trinkfreude überzeugen, der Clos braucht natürlich noch deutlich mehr Zeit zur Entwicklung und in jedem Fall Luft zum Atmen, aber die Anlagen sind klasse. Bei den Pinots hatten wir in seltener Klarheit die Erfahrung, dass Lorch gegenüber Assmannshausen einfach im  Vorteil ist. Während bsp. der 2011er Assmannshäuser eher breit und muskelbepackt daherkommt, gibt sich der 2013 Pinot Noir Lorch als grazile Tänzerin mit belebender Säure und Finesse. Und bei den sehr teuren Einzellagen-Pinots hat der Lorcher Kapellenberg mit seiner Eleganz einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Höllenberg. Der absolute Hit war am Ende auch nicht der feine 2013er Rüdesheimer Drachenstein und auch nicht die druckvolle 2012 Johannisberger Hölle, sondern ganz eindeutig 2013 Lorcher Schlossberg Pinot Noir. Das ist ein wahrhaft großer Burgunder!

Weinbörse und große Pinots

Pinot Flashback bei Solveigs

Nein, Chat Sauvage ist natürlich nicht das einzige Rotweingut im Rheingau. Eher im verborgenen weil gewissermaßen nebenberuflich hat „Winemaker“ und Berater Jens Heinemeyer „Solveigs“ aufgebaut, das heute im Geisenheimer Kapellenhof residiert. Heinemeyer macht vieles, wenn nicht alles anders als die meisten seiner Kollegen, und er nimmt dennoch nur für sich in Anspruch, durch kontrolliertes Nichtstun im Keller einen möglichst guten Erfolg zu erzielen. Heinemeyer, bis Ende 2012 Mitinhaber des Weingutes Johanninger in Rheinhessen, hat jetzt 20 Pinots der Jahre zwischen 1995 und 2011 aus der Schatzkammer geholt, und das schmeckt zwar ganz anders als die geschätzten Rotweine des unten erwähnten Urgesteins Becker, aber nicht minder gut. Unbehandelt, unfiltiriert, burgundertypisch. Naturkork selbstredend. Vor allem die Weine aus den mittleren Jahren wie 2008 und 2004 reüssieren auf der Zunge ungemein. Frühburgunder ist zwar nicht immer meine Sorte, aber der 2009 Koloss ist für jeden Fan ein großer Wein. Und wenig überraschend erweist sich die Magnumflasche ist bestes Gefäß, um Pinot reifen zu lassen.

Phyllit 1997, 2002, 2008 M, 2011

Steil 1995, 1996, 1998, 2007, 2012

Micke 2006 M, 2009

Present 1997, 1999, 2004 M, 2009, 2011

Koloss 2002, 2009, 2011  

Meine Favoriten sind ganz klar Present 2004 und 2009 mit wunderbare Fülle, fein verwobenen Taninen, perfekter Reife, Länge und Eleganz

Weingut J.B.Becker, Walluf

Kaum ein Rheingauer Winzer kann so aus dem vollen schöpfen, wenn es um gereifte Weine geht. Das tut Hajo Becker inzwischen auch regelmäßig und lädt zur Präsentation ins Glashaus. Ich habe mich dort diesmal ganz auf die Roten konzentriert. Somit alles Wallufer Walkenberg Spätburgunder trocken

2004 – großer Schmelz, klare Struktur, sehr fein

2001 – sehr präzise, gute Säurestruktur, elegant

2000 -  sehr prägnante Säure, würzig, fehlt an Körper

1996 -  vom Rot ins Braun übergehend, würdige Reife, nicht mehr lagern

1989 -  überraschend gut, noch immer lebendig, würzig, pfeffrig

1997 -  sehr komplex und sehr fordern, kein Wein für Anfänger

1993 – einer meiner Lieblinge unter den trockenen Spätlesen, gutes Säuregerüst, Substanz und Komplexität

2003Spätlese aus dem Rheinberg, großer Jahrgang, großer Wein, passt!

… und dann noch zwei Weißherbst-Auslesen aus dem Walkenberg, die mich fasziniert und beinahe „umgehauen“ haben…

1988 – ein Kracher mit dezenter Süße von knapp 20g, perfekter Essensbegleiter, großer Trinkfluss, animierend, eine Wucht!

1976 – ein Monument mit hoher Strahlkraft, großer Trinkfreude, Eleganz, Schmelz und Finesse, ganz groß!

Winkel Hopping 2017

Gute, nachahmenswerte Aktion Winkeler Vorzeigebetriebe, von der Ankermühle (die die kläglichen Reste des eigenen Weinbaus inzwischen ganz aufgegeben hat und die Basisweine von Carl Ehrhardt bezieht) bis zu Corvers-Kauter (wo die Weine immer noch besser werden…). Forelle in der Ankermühle, Bamberger Hörnla bei Asbach-Ketschmar und ein leckeres Trio bei Hamm, das Hopping hatte es auch kulinarisch wieder in sich. Dabei war der Ankermühle 2013 Riesling „Maria“ ein guter Auftakt, sehr fein auch der 2015 Rheingau Riesling „Jubliläum“ von Hamm. Sehr angetan war ich von Asbach-Kretschmar… 2016 Hasensprung Kabinett trocken ist ein süffiger Gutswein,  und die trockene Spätlese aus dem Roseneck ist aller Ehren wert. Ein echtes Schmankerl aus dem Ökoweingut ist die 2015 Rosé-Auslese aus der Lage Klosterlay… flüssiges Dessert. 

Mainzer Weinbörse

Die verbreiteten Frostschäden in den deutschen Weinbergen, deren ganzes Ausmaß noch nicht klar erkennbar ist, bestimmten die Fachgespräche auf der 44. Mainzer Weinbörse in der Rheingoldhalle. Vielen Winzer saß der Schreck noch in den Knochen. Ertragsausfälle von bis zu 70 Prozent hatte schon im Vorfeld der württembergische Spitzenwinzer Matthias Aldinger gemeldet, die Hessischen Staatsweingüter hatten von bis zu 50 Prozent erfrorener Triebe in Hochheim berichtet, ebenso das Weingut Spreitzer über stark geschädigte Parzellen im Oestricher Doosberg. Das Eltviller Weinbauamt hat inzwischen alle Winzer aufgefordert, die Schäden zu erfassen und zu melden.

Der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) hat in Appenheim und in Bad Dürkheim Winzer besucht und sich über die Schäden informiert. Rheinhessen und die Nahe seien neben der nördlichen Pfalz stark getroffen, heißt es. Es gebe dort „nahezu keine ungeschädigten Rebflächen“, die befürchtete Ausfallrate liege zwischen zehn und 95 Prozent. Die Winzer müssten nun auf Kompensationsreaktionen der Rebstöcke hoffen.

Dabei wollten die Winzer in Mainz vor allem über den Jahrgang 2016 und die guten wirtschaftlichen Aussichten sprechen. Unwägbarkeiten gibt es allerdings auch hier. Welche Auswirkungen beispielsweise der Brexit auf die exportfreudigen deutschen Spitzenwinzer hat, ist noch völlig ungewiss. Von 18 auf 23 Prozent haben die rund 200 Mitglieder des Verbands der Prädikatsweingüter im vergangenen Jahr ihren Exportanteil gesteigert, und Großbritannien ist mangels eigener nennenswerter Weinerzeuger ein wichtiger Absatzmarkt. Doch Wein getrunken wird auch nach dem Austritt der Briten aus der EU, da ist VDP-Vizepräsident Philipp Wittmann ganz sicher. Die Exportregeln allerdings könnten sich ändern, mit ungewissen Folgen.

Gleichwohl blicken die VDP-Betriebe, die durchschnittlich immerhin 26 Hektar groß sind, auf Basis des zurückliegenden Wirtschaftsjahres recht zuversichtlich in die Zukunft. Das liegt auch daran, dass sie weniger für den Fassweinmarkt mit seinen in vielen Regionen am Boden liegenden Preis produzieren, sondern in Flaschen abfüllen und zu durchaus beachtlichen Preisen vermarkten. Nach einer Aufstellung des VDP erreichen schon die einfachen Gutsweine inzwischen einen Durchschnittspreis von 9,70 Euro je Flasche, bei den trockenen Spitzenweinen (Große Gewächse) sind es sogar durchschnittlich 32 Euro. Letztere stehen aber nur für einen Umsatzanteil von 15 Prozent. Insgesamt berichten die VDP-Winzer von Absatz- und Umsatz-Zuwächsen von rund zehn Prozent.

Der VDP sieht eine ungebrochene Nachfrage nach der Leitrebsorte Riesling und ein wachsendes Interesse an Spätburgunder-Rotwein deutscher Provenienz. Mit 182 Winzern nahmen diesmal fast alle Mitgliedsbetriebe des VDP teil, was den mehr als 3000 Fachbesuchern eine hervorragende Übersicht über den aus Erzeugersicht guten Weinjahrgang 2016 gab. Wittmann spricht von „unglaublich balancierten“ Weinen „einer feinen Säure und elegant charmanter Frucht.“

Insgesamt lag der Absatz der Prädikatsweingüter im Jahr 2016 bei rund 34 Millionen Flaschen. Der Gesamtumsatz gibt der VDP mit rund 323 Millionen Euro an, das sind immerhin 27 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Grundsätzlich sei die Preisentwicklung in allen Weinsegmenten stabil bis leicht steigend. Der Direktverkauf ab Weingut hat mit 42 Prozent beim Absatz nach wie vor den größten Stellenwert. Immerhin zehn Prozent der Verkäufe werden inzwischen über eigene und externe Onlineshops abgewickelt. Der Weinfachhandel, bislang mit 35 Prozent zweitwichtigster Absatzweg der VDP-Güter, hat an den Onlinehandel deutlich Anteile verloren. Und die ebenfalls wichtige Gastronomie (17 Prozent des Inlandsabsatzes) bedient sich nach den Beobachtungen der Winzer immer weniger direkt im Weingut sondern beim Handel. Inzwischen bewirtschaften VDP-Mitgliedserzeuger schon zwölf Prozent der ökologischen Rebflächen in Deutschland. VDP-Präsident Christmann bekräftigte die Forderung des Verbands nach einer Reform des Weinrechts. Im Segment der Einstiegsweine müssten die Herkunftsbezeichnungen deutlich „entschlackt“ werden. Den Weintrinkern sei der „Bezeichnungsdschungel“ nicht dauerhaft zumuten. (leicht gekürzter Bericht aus der FAZ)

Sensorisch habe ich mich mit Freuden durch den Dschungel geschlagen und eine Schwerpunkt auf Baden gelegt, um Burgunderfreuden zu genießen. Die hatten es in sich!

Huber 2015 Chardonnay Alte Reben – großartig, Schmelz, Fülle, Alles!

Laible 2016 Plauelrain Grauer Burgunder – eine Zierde für diese Rebsorte!

Seeger 2015 Chardonnay S – sehr cremig, füllige Eleganz, wird super!

Stigler 2015 Chardonnay Pagode GG – Mehr davon, Trinfluss hoch 10

Stigler 2015 Chenin Blanc – das muss man getrunken haben. Staun!!!!

Wöhrle 2015 Chardonnay Gottsacker GG – deftig, lecker, schmelzig, gut

Graf Adelmann 2015 Lichtenberg Weißburgunder – sehr gut, Trinkfluss!

Aldinger 2015 Chardonnay Reserve – das Beste aus Württemberg!

Dautel 2015 Chardonnay S – sehr gut, macht Trinkspass!

Graf Neipperg 2015 Ruthe Riesling GG – feinfruchtig, elegant, lecker   

Aus dem Verkostungstagebuch

Das Remstal… weit mehr als Trollinger

Jürgen Ellwanger und Rainer Schnaitmann, diese beiden Weingüter waren das Ziel einer kurzen Exkursion der „Kranenmeister“, und der lohnenswerte Ertrag besteht aus vinologischen Erfahrungen erster Güte.

Schnaitmann

Kaum zu glauben, dass dieses Weingut erst sein zwanzigjähriges Bestehen feiert, denn die Weine offenbaren ein außergewöhnlich tiefes Verständnis des Terroirs aus Mergel, Schilfsandstein und Gipskeuper. Wir haben einen tiefen Blick in die recht üppige Kollektion von Rainer Schnaitmann erhalten, einem der höchst sympathischen und authentischen Qualitätsfanatiker des Remstals. Unter den vielen guten Weinen – Ausfälle gab es nicht zu beklagen – müssen diese besonders  hervorgehoben werden

2014 Simonroth Lemberger und 2014 Simonroth Spätburgunder – beide absolut top, eher kühle Eleganz, hohe Trinkanimation mit Tiefgang!

2014 Fellbacher Lämmler Lemberger GG und 2014 Fellbacher Lämmler Pinot Noir – eigentlich beide noch zu jung, brauchen noch Zeit zur Entwicklung und Dekantieren wäre beim Lemberger wohl auch angesagt…. aber fulminant ! Aber auch schon der „einfache“ 2015 Spätburgunder Junge Reben ist ein Basis-Pinot vom Feinsten. Kompliment, aber auch für den Trolli Alte Reben! Herrlich!  

Jürgen Ellwanger

Einer der Pioniere der Qualitätserzeuger im Remstal und damit ein Betrieb mit hohen Verdiensten… gerade wird umfangreich gebaut, und der verwinkelte Altbau lässt den Laien fast ratlos zurück, wie solche großartigen Weine unter solchen Bedingungen erzeugt werden können. Überragend: 2014 Lemberger (Hades-Wein!), 2015 Grauburgunder Hades, und der absolute Knaller: ein Kerner !!!!!! 2015 Nikodemus Claudius… das ist der Wein, um in jeder Blindprobe alle Freaks in die Irre zu führen! Großartige Länge und Tiefe. Fein und elegant das 2015 Schnaiter Altenberg Riesling GG trocken, und ein Schmeichler für mein Weinherz: 2015 Lemberger Hebsacker Lichtenberg trocken

Aldinger

haben wir leider nicht besucht, aber zwei großartige Weine getrunken: 2015 Sauvignon blanc Große Reserve (Hut-ab-Wein!!!) und 2014 Untertürkheimer Gips Riesling trocken mit Finesse und vor allem hoher Präzision, geschliffene Eleganz, fein, hoher Trinkfluss!

Ergänzt wurde die Kranenmeister-Exkursion anlässlich der 100. Probe durch eine spannende Blindverkostung ausgewählter Weine, darunter natürlich den völlig zu unrecht verachteten Trollinger und den häufig völlig unterschätzten Lemberger (Blaufränkisch!)

Trollinger: 2014 Ellwanger Gutswein, 2014 Heid Fellbacher LÄmmler, 2015 Beurer und 2015 Zimmerle „Architekt“. 4 schöne Beispiele für das Potential und ebenso für die Grenzen der Rebsorte zu Preisen zwischen 6,50 und 9,50 Euro. Leicht gekühlt kann Trollinger ein feiner, leichter Trink-Rotwein sein. Persönlich fand ich Beurers Trollinger besonders spannend, die Mehrheit votierte aber für den Lämmler von Heid knapp vor Zimmerle. Kaufen würde ich mir allerdings den im Weingut verkosteten „Trollinger Alte Reben“ von Schnaitmann, der in diesem Flight nicht vertreten war.

Lemberger: Eine andere Liga, Preise zwischen 11 und 33 Euro für 2015 Ellwangers Hebsacker Lichtenberg, Aldingers 2013 Fellbacher Lämmler GG und Haidles Stettener Mönchberg GG. Hier hatte Haidle die Nase vorn, wobei bei längerem Luftkontakt Aldingers hohe Präzision schon überragt hat… auf meiner Zunge zumindest.

Riesling: Beurer 2014 Stettener vs. 2015 Ellwanger Beutelsbacher Altenberg vs. Haidle 2015 Stettener Pulvermächer vs 2014 Aldinger Fellbacher Lämmler. Also auch hier fand ich Beurer besonders gut – da muss ich mal hin – doch Aldinger hatte am Ende mit seinem Riesling die Nase vor.

Sauvignon blanc alle 2015: Heid Steinmergel, Kuhnle Gutswein, Aldinger Große Reserve und Fellbacher Weingärtner mit Edition S. Die Weingärtner schlugen sich wacker, mussten aber Aldlinger doch klar wegen dessen Präzision und Klarheit den Sieg überlassen, dessen Sauvignon mit 18,70 Euro aber auch der mit Abstand teuerste dieser Probe war.   

und sonst gelegentlich zwischendurch…

Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach:

2015 Rauenthaler Baiken Riesling trocken

2007 Berg Schlossberg Riesling 1. Gewächs

2015 Neroberg Riesling trocken – die 2015er doch recht gut mit hoher Fruchtfülle und Prägnanz, 2007 allerdings schon etwas müde, könnte auch ein Flaschenfehler gewesen sein…

2009 Höllenberg Spätburgunder trocken – mein Lieblingswein aus dem Höllenberg“

2015 Riesling „Lehrstück“ … ein Wein der Auszubildenden des Weinguts… gut gemacht! Sehr süffiger, aber auch gut strukturierter und balancierter Wein mit gutem Trinkfluss! Weiter so!

August Kesseler, Assmannshausen

2016 Riesling „The Daily August“ – ein Produkt der “Aufspaltung” des Weinguts Knyphausen nach dem Investoren-Ausstieg… sehr gut, sehr süffiger, leckerer Schnabulierwein… Easy drinking auf hohem Niveau, Spaßwein, schmeckt nach mehr….

Champagne LeMesnil Blanc de Blancs Grand Cru extra brut – sehr cremig, buttrig, aber nicht breit oder zu oxydativ, gut

Graf von Kanitz, Lorch

1989 Lorcher Pfaffenwies Riesling Spätlese – spannend, für den Jahrgang aber eher untypisch…

Adeneuer, Ahr

1997 Walporzheimer Gärkammer Spätburgunder Spätlese trocken – für das Alter gut gehalten, Tabak, Lakritz, weiche Tanine

Castillo des Val 1998 Vino Valdevegon – überraschend guter spanischer Rotwein mit überraschend kühlem Zug und Trinkfluss bei moderatem Alkoholgehalt, fein, muss man sich merken!

Weingut J. Neus, Ingelheim

2014 Ingelheimer Alte Reben Spätburgunder – lange nix mehr getrunken von einem der Rotweinpioniere Rheinhessen… aber nach einer langen Schwächephase scheint ein Wiedererstarken erkennbar !

Weingut Robert Weil, Kiedrich

2011 Riesling Sekt brut – Überraschend frisch, cremig, fein, da waren alle Befürchtungen des Gastgebers ob der Haltbarkeit des 2012 degorgierten Sektes völlig umsonst ! Ein Genuß!

2003 Gräfenberg Riesling 1. Gewächs – steht immer noch wie eine Eins im Glas, jahrgangtypisch moderate Säure, aber schön frische Cremigkeit

2009 Turmberg Riesling Auslese – was für ein leckeres flüssiges Dessert auf dem Balkon an einem der ersten schönen Apriltage… ein Hochgenuss (und perfekt zur Zigarre!)

Weingut Pfeffingen, Pfalz

2015 Riesling Ungstein trocken – sehr süffig, saftig, gut

Neu im VDP: Weingut Krone Assmannshausen (2012 Juwel Spätburgunder & 2013 Weißburgunder) und Weingut Knebel, Mosel, 2015 Uhlen Riesling… bei der VDP-Pressekonferenz dazu ein klarer Beweis auf der Zunge, dass beide unbedingt dazugehören!

Balthasar Ress, Hattenheim

Die neue Vinothek ist fertig. Sehr schön geworden, netter Arbeitsplatz für Dirk Würtz, coole Atmosphäre, stylish aber nicht „over“, zur „Eröffnung“ 2016 Rheingau Riesling Kabinett trocken (also der Jahrgang wird bei den guten Erzeugern auch wirklich gut und weit besser als zunächst gedacht…), 2016 Oestrich Riesling trocken (ein Hoch auf die Ortsweine!) und 2015 Spätburgunder „Caviar“ (wow, kühle Eleganz, französische Art, hätte „Gott in Frankreich“ auch gefallen, klasse!

Himmel & Lauer, Hochheim

Zwei höchst sympathische Hochheimer Weingüter, die jetzt eng am Standort von Himmel zusammenarbeiten… und gemeinsam Weine erzeugen. Sie haben auch gemeinsam ihre Weine vorgestellt… insgesamt eine ordentliche, in Teilen sehr gute Kollektion… 3 Weine haben meines Erachtens herausgestochen:

2016 Wickerer Mönchsgewann „Lokal“ Riesling trocken (sehr süffig, klar, fruchtbetont), 2016 Himmelstraum Spätlese trocken (ein „echte“ trockene Spätlese, ihrem Namen auch gerecht wird…!), und 2013/2015 Lumen Naturale, wobei 2013 jetzt die Trinkreife erreicht und sich zum Faszinosum gemausert hat!

Armutszeugnis: Nur noch eine Weinversteigerung!

Der VDP Rheingau zieht Konsequenzen aus der zuletzt nicht mehr als ausreichend erachteten Resonanz auf die jährliche Weinversteigerung seiner Mitgliedsbetriebe im Herbst. Die für Mitte September angekündigte Auktion in Kloster Eberbach ist abgesagt worden. Stattdessen will der Verband, dem im Rheingau 38 meist größere und renommierte Weingüter angehören, sich im März 2018 der Versteigerung der Hessischen Staatsweingütern im Zuge des Rheingau Gourmet und Wein Festivals anschließen und gleichzeitig ein neues Konzept umsetzen. Man darf gespannt sein, wer dabei mit welchen Weinen (noch) mit dabei ist, denn dem Vernehmen wird es für diese Betriebe auch noch teurer...

Es ist der nächste Schritt eines Anpassungsprozesses an die Veränderungen des Weinmarktes, der Vertriebswege der Weingüter und der Gewohnheiten der Weintrinker. Mit der herrschaftlichen Weinversteigerung war im Frühjahr 1806 im Kloster Eberbach die Tradition der Weinauktionen in der alten Zisterzienserabtei begonnen  worden. Der Herzog von Nassau, in der Nachfolge der nach 1803 um ihren Besitz gebrachten Zisterziensermönche größter Weingutsbesitzer im Rheingau, ließ erstmals fassweise Weine versteigern. Darunter den "ganzen herrschaftlichen Vorrath mit 28 Stück 1804er Rüdesheimer an den Meistbietenden gegen baare bey der Abholung zu leistende Zahlung". Das war der Beginn der modernen Weinversteigerung im Rheingau, im Lauf der Jahre ein Auf und Ab erlebten.

Vor 20 Jahren hatte es im Rheingau noch vier Versteigerungen gegeben: die Frühjahrs- und Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter als dem größten Weingut Deutschlands, die VDP-Versteigerung im September und eine Raritätenauktion im Zusammenarbeit mit dem Londoner Auktionshaus Christie's in Schloss Reinhartshausen anlässlich der Glorreichen Rheingau Tage im November. 1997 wurde im Wiesbadener Kurhaus sogar eine Spitzweinversteigerung mit renommierten Weingütern aus ganz Deutschland organisiert – bei der Preise von bis zu 15.000 Euro für Raritäten von der Mosel erzielt wurden.

Die Auktionsergebnisse waren in jener Zeit beachtlich. 1999 war eine "1921er Kiedricher Berg Riesling Auslese" des Kiedricher Weingutes Robert Weil einem amerikanischen Weinfreund sagenhafte 20.000 Mark wert. Damals wurden Erinnerungen wach an das legendäre Jahr 1987, als unter Auktionator Eberhard von Oetinger das Bietgefecht um einen „1735er Johannisberger Riesling“ des Weingutes Schloss Schönborn vom deutsch-kanadischen Wurstfabrikanten Harald Apfelbaum mit einem Gebot von 53.000 Mark für sich entscheiden wurde. Das ist bis heute unerreicht. Leider war ich da noch nicht als Berichterstatter im Rheingau...

Genau 200 Jahre nach der ersten Auktion in Eberbach ersteigerte ein anonym gebliebener Weinfreund im Kloster Eberbach eine einzelne Flasche Riesling für 10.300 Euro. Es war eine 1920er Steinberger Riesling Trockenbeerenauslese, die nach Ansicht des Leiters der Hessischen Staatsweingüter, Dieter Greiner, zu "den absoluten Spitzen" der Kloster Eberbacher Schatzkammer zählt. Es sollte aber einer der letzten großen Höhepunkte bleiben.

Die noch im Jahr 2000 geäußerten Hoffnungen, dass schon bald Rheingauer Spitzenweine im Wert von bis zu einer Million Mark über die Versteigerungen verkauft werden können, blieben unerfüllt. Schon 2005 legten die VDP-Betriebe und die Staatsweingüter ihre Herbstauktion zusammen, um – wie es damals hieß – „eine größere nationale und internationale Aufmerksamkeit erreichen und neue Impulse setzen.“ Ein nicht erfülltes Versprechen! Insgesamt meldete der VDP nach Abschluss dieser Auktion einen Umsatz von 173.000 Euro. Doch es war kein Auftakt zur nachhaltigen Besserung, obwohl damals wie heute von einer „Bündelung der Kräfte“ die Rede war.

Die Staatsweingüter hielten an ihrer Frühjahrsversteigerung fest und betteten sie 2007 fest in das Programm des Rheingau Gourmet und Wein Festivals ein. Eine kluge Entscheidung, die sich auszahlte. 2016 vermeldeten die Staatsweingüter mit einem Nettoumsatz (ohne Mehrwertsteuer) in Höhe von 97.000 Euro das beste Versteigerungsergebnis seit 2001. In diesem Frühjahr war das Ergebnis noch besser. Doch fünfstellige Beträge für Einzelflaschen blieben seit der zweiten Hälfte der 2000er Jahre die Ausnahme, vor allem nach der Wirtschafts- und Finanzkrise des Jahres 2008. Im Jahr 2009 sank bei VDP der Umsatz auf 75.000 Euro, nachdem in den Vorjahren noch jeweils rund 125.000 Euro erzielt worden waren. Die groß angekündigte Jahrhundert-Weinauktion zum bundesweiten VDP-Jubiläum 2010 fiel sogar aus. Unter dem Strich eine Blamage für den VDP!

Wer die Rheingauer Versteigerungskataloge aufmerksam studierte, dem war die Krise schon Jahre zuvor augenfällig geworden. Das Weingut Weil des VDP-Vorsitzenden Wilhelm Weil, berühmt für seine teuren edelsüßen Spitzenweine, setzt seine Trockenbeerenauslesen und Beerenauslesen schon seit Jahren nicht mehr dem Risiko der Auktion aus und offeriert dort ausschließlich Auslesen. Die VDP-Auktion wurde immer weniger attraktiv, die lange Reihe süßer und edelsüßer Weine für das Publikum ermüdend. Und die Winzer hatten Angst, bei einer größeren Partie auf Flaschen sitzen zu bleiben und diese danach aber nur noch zum Auktionspreis verkaufen zu dürfen.  Entsprechend fielen die Weine für die Versteigerung aus....

Und das, obwohl der VDP aus der schon 1897 gegründeten „Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer“ hervorgegangen war mit dem Ziel, die „Zweckmäßigkeit der Weinversteigerungen zu steigern.“ Der Bundes-VDP firmierte folgerichtig bei seiner Gründung 1910 noch als „Verband Deutscher Naturweinversteigerer“. Damals allerdings war die Auktion ein bedeutsamer Absatzkanal der Weingüter. Heute geht es für viele Güter nur um einen nennenswerten Tagesumsatz. Die Weinversteigerung hat vor allem das Ziel, exklusive Spitzenweine in streng limitierten Mengen anzubieten. Es geht um exklusive Sonderabfüllungen aktueller Weine und gereifte Raritäten aus den Schatzkammern der Weinkeller. Eine Art Leistungsschau des Rheingaus, die weniger auf Umsatz als auf Image, Marketing und Öffentlichkeitswirkung abzielt. Das richtet sich vor allem an eine Handvoll Weingüter, denen die Auktion ein besonderes Anliegen ist und die überdies bereit sind, künftig mehr Geld für das Marketing zur Verfügung zu stellen. Kloster Eberbach gilt dafür nach wie vor als die ideale Bühne. Allerdings will der VDP auch ein digitales Abwicklungssystem entwickeln, um Weinfreunden aus aller Welt online das Mitsteigern zu ermöglichen. Vielleicht darf ja sogar dann wieder jeder mitsteigern und nicht nur die Kommissionäre...? Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung!

(veränderter und gekürzter Text aus der FAZ vom 7. April)

Das wars schon wieder...

Das 21. Rheingau Gourmet und Wein Festival ist zu Ende… schön war´s! Wie gewohnt eine leger-lockere Abschiedsparty im Kronenschlösschen Hattenheim zum Abschluss, diesmal mit engagierten Winzern aus dem Burgenland zur gewohnt feinen Küche… (Henrik Andersens Thai-Curry, Prüßmanns Entenleber und Stirntals Fjord-Forelle, aber auch der Orkney Lachs von Moses Ceylan und Sebastian Zier) mit einem paar ganz bemerkenswerten Weinen !

Ernst Triebaumer 2008 Chardonnay Ried Pandkräftn und 2007 Blaufränkisch Ried Marienthal; Hammer 2012 Sauvignon blanc Selection, Pöckl 2003 Cabernet Sauvignon und Tinhof 2015 Leithaberg DAC Weissburgunder sowie Salzl 2015 Chardonnay und Esterhazy 2013 Föllig Blaufränkisch… das waren die Besten ! See you 2018!

Aus dem Verkostungstagebuch

Schloss Halbturn, Burgenland

ist spätestens seit der großen Restrukturierung 2001 und der Neuordnung der Besitzverhältnisse 2008 einer der rigoros-guten Qualitätsführer im Burgenland… Leider habe ich es noch nicht geschafft, das Weingut im bedeutendsten Barockbau des Burgenlandes, der einst dem Kaiserhaus als Jagd- und Sommerresidenz diente, zu besuchen. Aber die Weine sind phänomenal, wenn ihnen etwas Reife gegönnt wurde

2009 Imperial Weiß – großartige Cuvée aus Sauvignon und Chardonnay mit Schmelz und Tiefgang, großer Komplexität, langem Nachhall, fein

2005 Pinot Noir – eher leichtfüßig, feine Eleganz, gepaart mit lebendiger, pikante Säure, die fast ein wenig zu dominant ist, aber gut

2008 Pinot Noir – imposanter Burgunder der alles hat, was diese Rebsorte ausmacht, keine Ermüdungserscheinungen, frisch, elegant, wohl balanciert, feine Frucht, toll!

Weingut Erich & Walter Polz, Südsteiermark

begütert mit besten Lagen der Südsteiermark ist das Weingut auf jeder Karte eine echte Bank!

2015 Therese Sauvignon blanc – grün-gelbe Reflexe, sehr vielschichtig, viel Stachelbeere, kühler Zug, enormer Tiefgang, feine Würze, facettenreiches Fruchtspiel, belebendes Säurespiel, langer Abgang,  sehr trinkanimierend !

2013 Hochgrassnitzerberg Sauvignon blanc – einer der Topweine des Weinguts… helles Gelb, expressives Bukett nach Mirabellen und Äpfeln, braucht Luft und entfaltet dann seinen Charakter, guter Körper ohne deshalb zu dick zu sein, reife Johannisbeere, feines Säurespiel, würzig, guter Nachhall, mit Sicherheit hohe Lagerfähigkeit…

Robert Weil, Kiedrich

2008 Gräfenberg Riesling Auslese – zum dahinschmelzen gut, saftige, nicht ermüdende Süße, gute Säure, elegant !

Krug 2002 Champage brut

ein echter Aristokrat im Glas! ein majestätischer Champagner der die ganze Größe zeigt. Ein Charakterkopf von hoher Eleganz und Frische, reiche und komplexes Aromenspiel, darunter Orange, Biskuit, deutliche Zitrusnoten und sogar ein wenig Lakritze, aber auch Honig und geröstetes Brot. Sehr präzise, sehr präsent, hochfein… leider nicht meine Preisklasse, aber einfach großartig, zumal er mich an einen einzigartigen Besuch im Hause Krug nebst Exklusivverkostung erinnert !

Weinkellerei Ingelheim

1976 Groß-Winternheimer Silvaner Auslese – interessantes Schätzchen aus einem privaten Keller… wirkt nach wie vor sehr frisch, präsent und jugendlich, aber leider fehlt jedes Säuregerüst und damit jeder Spannungsbogen. Dadurch eher flach und süß.

Pol Roger Champagne Reserve brut

– so, jetzt habe ich mir erstmal ne 6er Kiste gekauft, so gut ist das Zeug!

Balthasar Ress, Hattenheim

2016 Rheingau Riesling Kabinett trocken – leckerer Ausblick auf den neuen Jahrgang, frisch, verspielt, kapriziös, eine Versuchung wert…

Weingut am Nil, Kallstadt

2013 Herrenberg Riesling trocken – sehr gut, begeistert mich durch Präzision und Pfälzer Eleganz, guter Trinkfluss!

Georg Breuer, Rüdesheim

2014 Terra Montosa Riesling trocken – ein Leichtgewicht, wirkt fast ein wenig grün und unreif, ganz anders als 2013 und 2015… muss ich bei anderer Gelegenheit nochmal nachprobieren…

Joh.Jos. Prüm, Mosel

2004 Wehlener Sonnenuhr Auslese – hach, ein Prümchen, geht immer, passt immer, schmeckt immer, und 2004 ist eben das geniale Jahr..

Leitz, Rüdesheim

2013 Rüdesheim Berg Schlossberg Riesling – recht gut, straff, feine Mineralität

Staatsweingüter Kloster Eberbach

1996 Erbacher Marcobrunn Riesling Auslese… was für ein Säureattentat auch nach dieser langen Zeit, kraftvoll, würzig, pikant, gut

Südtirol und sein Chardonnay

Südtirol und Chardonnay

Zur großen VDP-Präsentation im Kloster Eberbach im Zuge des 21. Rheingau Gourmet und Wein Festivals gesellten sich diesmal zahlreiche Winzer aus Südtirol, und die hatten formidable Chardonnay im Gepäck (auf die ich mich bei der Probe diesmal konzentriert habe). Und hier meine Favoriten (in dieser Reihenfolge)

Nals Margreid 2013 Chardonnay Riserva Baron Salvadori – der mit Abstand BESTE, groß, druckvoll, viel Schmelz, Nachhall, Grandezza!

Pföstl 2015 Südtirol Chardonnay – klasse, elegant, fein, balanciert

Alois Lageder 2014 Löwengang – fest, druckvoll, viel Holz

Girlan 2014 Chardonnay Flora – sehr gut strukturiert, elegant

Tiefenbrunner 2015  Südtirol Chardonnay Turmhof – sehr gut

Ferrari Roberto 2014 Südtirol Chardonnay RF Selection – balanciert

Hartmann Donà 2015 Südtirol Chardonnay – ok, aber nicht mehr

Kellerei Bozen 2013 Chardonnay Riserva – kann man, muss man nicht

Rekordpreis für Rotwein

Mit ihrer diesjährigen Frühjahrsauktion haben die Hessischen Staatsweingüter vor fast 500 Gästen einen Bruttoumsatz von 103.000 Euro und damit eines der besten Ergebnisse der zurückliegenden Jahrzehnte erzielt. Deutschlands größtes Weingut meldet zudem einen Rekord: Knapp 12.500 Euro für eine Flasche 1917er Assmannshäuser Höllenberg seien ein bislang für deutschen Spätburgunder-Rotwein noch nicht erreichter Preis. Gleichzeitig sei dies höchste Einzelgebot für eine Flasche Wein im Kloster Eberbach in den vergangenen drei Jahrzehnten. Ein ebenfalls rarer 1947er Rauenthaler Wülfen Riesling Cabinet war einem Weinliebhaber immerhin 6783 Euro wert, und eine 1967er Rüdesheimer Hinterhaus Riesling Beerenauslese fand erst für 833 Euro einen neuen Eigentümer. Zufrieden sind die Staatsweingüter auch mit den erzielten Ergebnissen für vergleichsweise junge Weine. Der 2012er Assmannshäuser Höllenberg in der Doppelmagnum wurde für das Höchstgebot von 452 Euro zugeschlagen, der 2007er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Cabinet für immerhin 119 Euro. Insgesamt wurden von Auktionator Leo Gros 32 Versteigerungslose aufgerufen worden, darunter auch der diesjährige Benefizwein: Ein 1947er Assmannshäuser Höllenberg Frühburgunder Natur. Der Nettoerlös von 5800 Euro geht an das „Haus für Frauen“ in Not Bad Schwalbach.

Weinschmecker walks Erbach

Ich liebe Erbach! Es liegt von Eltville aus fußläufig gut erreichbar, hat einen sehr netten Weinprobierstand („Weintreff“), zwei sehr schöne Kirchen, ein formidables Schloss (Reinhartshausen), den berühmten „Marcobrunn“ (und andere sehr gute Lagen!) und vor allem eine hohe Dichte guter bis sehr guter Winzer, um nur mal Knyphausen, Reinhartshausen, Jakob Jung, Nicolai, Crass, von Oetinger zu nennen… (nebst der besten Winzergenossenschaft des Rheingaus…) Ein Spaziergang, oder noch besser: ein Walking Dinner durch Erbach! ist also eine höchst lohnenswerte Angelegenheit:

Aperitif: Weingut Jakob Jung mit einer gewohnt leckeren Kollektion auf hohem Niveau: Wenn ich einzelne Weine  herausgreife, dann nur, weil der Bessere eben der Feind des Guten ist, also: 2015 Erbacher Riesling VDP.Ortswein… hohe Mineralität, feine Frucht, klasse Botschafter Erbacher Lagen, großartiges Preis-Leistungs-Verhältnis! 2015 Erbach Steinmorgen VDP.Erste Lge absolut top mineralisch und fein, liegt bei mir knapp vor den Alten Reben und dem Charta Riesling. Bei den vorzüglichen GGs heißt es: jetzt Hohenrain trinken und Siegelsberg kaufen einlagern… Unter den Nicht-Rieslingen haben die beiden Chardonnays für mich die Nase vorn!

Vorspeise bei Crass: Die stilvolle Schänke wird wohl einen Platz im nächsten Weinschmecker erobern. Feine Küche, eine fast zu opulente, aber schöne Speieskarte, und dazu feine Weine… wobei das 2015 Erste Gewächs aus dem Siegelsberg den Vogel abschießt!

Hauptgang bei Oetinger: Die Allzweckwaffe „Mineral“ passt immer, die italienischen Speisen sind ausgezeichnet, und wenn man schon in Erbach ist, dass muss es ein Marcobrunner sein, in diesem Fall das 2012 Große Gewächs. Hut ab! Und Fontane hat natürlich völlig recht: "Es ist wunderbar, wie in nahen Beziehungen Menschenglück und Putenbraten zueinander stehen und welche Püffe das Herz verträgt, wenn man jeden Schlag mit einer Flasche Marcobrunner parieren kann!"

Weil goes Supermarket!

Nun also auch Weil. Mit 2016 Weißburgunder unique, 2016 Grauburgunder unique sowie 2016 Chardonnay unique und bald auch noch mit 2016 Pinot Noir unique hat das neu gegründete „Weinhaus Weil“ das Licht der Weinwelt erblickt und folgt dem Beispiel anderer deutscher Spitzenwinzer (Loosen, Heger, Franz Keller, R. Prüm u.a.). Vorerst, das heißt für zwei Jahre, gibt es das Robert-Weil-JUNIOR-Wein-Quartett exklusiv bei Edeka, danach könnte die Internationalisierung, wenn nicht gar „Globalisierung“ mit den für den Handel gedachten Weinen beginnen, die ab Mitte März für 7,99 Euro in recht schicker Ausstattung (Burgunderflasche) für den Endverbraucher erhältlich sein werden. Die Weine stammen von knapp zwei Dutzend rheinhessischen Vertragswinzern. „Hohe Qualität, Markenstärke und faire Preise“, so wirbt Weil für sein neues „Projekt“ (das er selbst nicht so nennen mag), und zieht den Vergleich zu BMW. Der Gräfenberg wäre somit das Luxusmobil der 7er-Reihe, die neuen Burgunderweine dagegen gehören zur MINI-Familie…. Die Weinkellerei Trautwein (jährlich 60 Millionen Liter!) in Lonsheim ist mit der Vinifikation betraut, die Abfüllung geschieht bei der WIV in Burg Layen, die Logistik zu Edeka verantwortet die Rheinberg Kellerei in Bingen. Das rechtsrheinisch beheimatete VDP-Spitzenweingut (100 Prozent Riesling aus 100 Hektar Weinbergen und 100 Prozent Erzeugerabfüllung) und das ausschließlich linksrheinisch aktive Weinhaus Weil (100 Prozent Burgundersorten aus 100 Prozent Rheinhessen) sollen sauber getrennt bleiben. Andererseits soll natürlich der Name „Robert Weil“ zu Kauf verlocken und die Markenstärke übertragen… also daher gleich die ketzerische Frage: Wie viel Weil steckt denn überhaupt im Weinhaus Weil-Wein?  In jedem Fall das vielleicht Wichtigste: Die Idee vom Wein.

Doch wenden wir uns den 3 Weinen zu, die wir schon verkosten durften:

2016 Weißburgunder unique

2016 Grauburgunder unique

2016 Chardonnay unique (…der Pinot Noir folgt dann im Herbst…)

Alle drei Weine sind sehr hellfarbig, klar, feinfruchtig, immer auf der eleganten Seite, mit recht moderaten Alkoholgehalt, deutlich rebsorten-typischen Aromen und sie sind auch recht süffig (mancher würde auch „lecker“ sagen). Trinkfluss eben. Soweit so gut. ABER: Nach meinen persönlichen Vorlieben fehlt es allen drei Weinen an forderndem Charakter, an Komplexität, an Spannungsbögen, an Ecken und Kanten, und vor allem an Weil-Authentizität. Ja, ich kann diese Weine trinken, wegschlabbern. Ich kann mich aber nicht länger als fünf Minuten darüber unterhalten. Das ist natürlich völlig unwichtig, weil ich zu einer für den Markt völlig unwichtigen, sektiererischen Minderheit von Wein-Anbetern gehöre, denen jeder Wein eine glaubwürdige Geschichte erzählen soll, entweder vom Boden oder von der Philosophie des Winzers. Ja, an den Weinen gibt es erstmal nix auszusetzen, und sie werden im Markt sicher erfolgreich sein. Nein, ich renne nicht zu Edeka, um mir welche zu kaufen, weil für 8 Euro schon authentisch-handwerkliche Winzerweine aus kleinen Familienbetrieben kaufen kann, und weil ich Burgunder liebe, die Reife, Komplexität, Kraft, Fülle und perfekt eingebundenes Holz aufweisen… Sorry, Edeka!

Schalom, Ihr Winzer aus Israel!

Geht es nach der Bibel ist Israel die Wiege des Weinbaus. In jedem Fall gibt es eine jahrhundertealte Weinbautradition, die aber erst mit der Immigration von Juden im 19. Jahrhundert ins damalige Palästina an Schwung gewann. Der moderne israelische Weinbau verdankt vieles dem Baron Edmond James de Rothschild, einst Mitbesitzer von Château Lafite-Rothschild. Heute ist Israel aber ein Exot unter den weinbautreibenden Nationen, exportiert wird nur wenig. Rund 300 Weingüter (weniger als die Hälfte der Güter im Rheingau) bewirtschaften rund 5500 Hektar Rebfläche. Die meisten Weinberge liegen im Norden, vor allem in den Golan-Höhen und im Oberen Galiläa, aber es gibt auch Güter in der Negev-Wüste. Die Bewässerung der Rebstöcke gehört zum Standard, mit bemerkenswerten Ausnahmen. Und das Terroir ist mindestens so vielfältig wie das Klima.

Soweit die Theorie… aber wie sehen die Praxis und der Status quo aus? Eine aufschlussreiche Stichprobe gab es anlässlich des Rheingau Gourmet und Wein Festivals, was auch insofern passend ist, weil die Weingüter Georg Breuer (Galil Mountain), Hans Lang (Seahorse), Baron Knyphausen (Adir) und die Hessischen Staatsweingüter (Golan Heights) jeweils interessante Partnerweingüter im gelobten Land haben.

Insgesamt wurden zwölf Weine von sieben Weingütern (Tulip, Maia, Seahorse, Somek, Margalit, Flam und Bazelet Halogan) präsentiert, darunter drei Weißweine.

Der klar Beste unter den Weißen war der 2013 „James“ Chenin Blanc von Seahorse, der südafrikanischen Vorbildern nacheifert, sehr kräftig mit prägnantem Holz, intensiv, druckvoll,  körperreich, langer Nachhall und zugegeben, auch eine „ölige Textur“, wie die Moderatorin anmerkte. Aber gut und deutlich stärker als die parfümierte, schwere, rosenölige  Gewürztraminer-Sauvignon blanc-Cuvée von Tulip und die noch exotischere, sehr fordernde Marsanne-French Colombard-Mixtur mit geringem Trinkfluss und alkoholischer Note.

Bei den Roten gefielen an erster Stelle der 2013 Cabernet Franc von Margalit mit einem Schuss Merlot, gutem Balance und Struktur, viel Trinkfreude, ferner der reinrassige, sehr feine 2011 Carignan von Somek (interessante Rebsorte, sollte dort Schule machen, verträgt das heiße Klima offenbar sehr gut, rustikale, rauchig-speckige Noten!), und nicht zuletzt der kraftvolle und dennoch süffige 2013 Fellini von Seahorse. Insgesamt allerdings liegen die Rotweine im Alkohol erwartungsgemäß recht hoch, und auch die Preise sind durchaus saftig, meist zwischen 20 und 30 Euro, und bei 37 Euro für den Somek wird die Luft doch recht dünn… das wird sich hierzulande meines Erachtens nur schwer verkaufen lassen…

Sauvignon blanc

Eine Trendsorte, und das obwohl – oder vielleicht sogar gerad weil? – die Stilistik und die sensorische Varianz eine enorme Spannbreite abdecken. Von grasig-grünen Weinen mit spitzer Säure aus dem Edelstahl bis zu gelbfruchtig-reifen und weichen Tropfen, gerne auch mit Holzgeschmack aus dem Barrique. Das erschwert die Beurteilung, weil es aus meiner Sicht auch keine echte Benchmark und keinen klaren „Königsweg“ der Erzeugung gibt, sondern nur persönliche Vorlieben der Winzer und Konsumenten. Tatsächlich tendiere ich bei den oben genannten Antipoden eher in Richtung Reife und gelber Frucht. Das heißt dann meist weniger Neuseeland und bisweilen auch weniger Südafrika, sondern eher Frankreich und Österreich… aber eben nicht immer. Schön, wenn es so einfach wäre! Und Deutschland? Nein, eine deutsche Stilistik hat sich bislang nicht durchgesetzt, zumal zu viele Winzer auf den Zug aufgesprungen sind, ohne die Rebsorte wirklich zu „verstehen“... Umso dankbarer war ich, zu einer kleinen internationalen Sauvignon-Probe eingeladen zu werden, und das waren die Probanden:

Saint Clair Estate 2014 und 2015 Wairau Reserve, Marlborough NZ

Cloudy Bay 2013 Te Koko, Neuseeland

Weedenborn 2015 Sauvignon blanc und 2015 Terra Rossa

Comte Lafond 2014 Sancerre ASC, Loire

Schreckbichl 2014 Lafoa, Epan

Schneider 2016 Kaitui, Pfalz

Thelema 2015 Sauvignon blanc Reserve, Stellenbosch

Das Ergebnis vorweg: Kompliment an Gesine Roll (Weedenborn) nach Monzernheim in Rheinhessen, denn ihr Terra Rossa zeigt sich wunderbar komplex, feinfruchtig, dicht mit großer Aromenintensität. Sehr gute Struktur und fein ausbalanciert, fast tropisch anmutende Noten. Eine strahlende Persönlichkeit, die dem Guts-Sauvignon allerdings abgeht. Zwar guter Trinkfluss, aber allzu sehr easy drinking, was dann schnell auch an die Grenze zur Beliebigkeit geht. Für mich als deutscher (!) Sauvignon gut erkennbar. Nicht so Markus Schneiders Kaitui, der mit exotischen Früchten und viel Johannisbeere glänzt. Ein extrovertierter Wein, natürlich noch ein Baby, aber mit gutem Entwicklungspotential. Hut ab. Neben dem Terra Rossa von einer der höchsten Erhebungen Rheinhessens gefiel vor allem der Cloudy Bay, trotz – oder wegen – einer ganz anderen Stilistik: komplex, stoffig, fast mollig, hohe Reife, komplex, mit gut eingebundenem Holz, sehr voll, aber auch fordernd, aber dennoch mit Trinkfluss. Die beiden Saint-Clair-Sauvignon konnte mich dagegen nicht wirklich überzeugen, 2015 noch eher als 2014, aber dennoch am Gaumen recht einfach gestrickt, grüne Reflexe, geringe Präzision, karg, moderater Trinkfluss. Deutlich besser Thelema aus meinem Lieblings-Urlaubsland, grüne Stachelbeere und Paprika, recht laut, aber auch sehr strahlend, feine Aromatik, gut Balance, ein in sich ruhender Wein mit hoher, animierender Trinkfreude. Schreckbichl dagegen eher ein Bodybuilder, sehr körperreich, auch recht alkoholisch wirkend, fordernd und kraftvoll, würde immer das Dekantieren empfehlen, angenehme Holznote. Schließlich noch Comte Lafond von der Loire, der trotz einer schönen Honignote im Bukett eher gar keinen als einen negativen Eindruck hinterließ: blass, zurückhaltend bis ausdruckslos, Ratlosigkeit macht sich breit…. Tipp: Die 2016 Fassproben von Weedenborn sind sehr, sehr vielversprechend…  

Aus dem Verkostungstagebuch

Goldatzel, Johannisberg

2007 Spätburgunder Auslese Barrique – „10 years after“ ein phänomenal guter Spätburgunder, auf den ersten Schluck fast grazil mit kühlem Zug, dann aber setzen sich die Aromen eines warmen Jahren durch, ohne deshalb dem Alkohol zu viel Dominanz zu geben, guter Nachhall, keine Alterstöne, wirkt deutlich jünger… zeigt das hohe Reifepotential der Goldatzel-Weine und ihre gute Struktur

1991 Winkeler Riesling Spätlese trocken – ein Tropfen aus der (eigentlich nicht vorhandenen) Schatzkammer des Weinguts. 1991er gibt es heute noch höchst selten zu finden und zu trinken, dieser hier wirkt ebenfalls deutlich jünger als der Jahrgang vermuten lässt. Klassische trockene Spätlese mit immer noch vernehmbarer Säure im Abgang, auch wenn der gereifte Tropfen auf den ersten Schluck schon fast wie ein kaum gereifter Chardonnay wirkt….

Olivier Leflaive, Burgund

2011 Saint-Aubin Grand Vin de Bourgogne

1990 Corton-Charlemagne Grand Cru

zwei sehr unterschiedliche Burgunder aus einem Haus…. 2011 noch recht jung, eher karg wirkend, verhaltene Frucht, eher einfach, hat die Balance noch nicht gefunden

1990 ein Hammer-Burgunder… so muss Chardonnay für mich schmecken… einer der Besten aus Europa, die bis bislang überhaupt auf den Gaumen gekommen sind, ein echtes Chardonnay-Erlebnis!

Allendorf, Winkel

2010 Winkeler Jesuitengarten Riesling Erstes Gewächs – zeigt wieder einmal die Stärke der „mittleren“ Jahrgänge, mit Finesse und Trinkfluss sowie guter Säure, klasse!

Domdechant Werner, Hochheim

2007 Hochheimer Hölle Riesling Kabinett trocken – Wein mit echtem Kabinettcharakter, feine Reifenote, gute Länge, schmeckt nach mehr…

Rheingau Gourmet & Wein Festival

Mit einer Kochdemonstration vor mehr als 40 Genießern und Hobbyköchen (mich eingeschlossen) hat der Londoner Spitzenkoch Bhatia das 21. Rheingau Gourmet- und Wein-Festival eröffnet. Seit 1993 lebt er in London, 2001 war er der erste indische Küchenchef, der für seinen Kochstil mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Wie geschmackvoll die indisch inspirierte Küche sein kann, davon hatten sich mehr als 400 Gäste schon am Vorabend bei der traditionsreichen Küchenparty im Dormitorium von Kloster Eberbach ein Bild machen können. Insgesamt kochten vier ausländische und sechs nationale Spitzenköche an verschiedenen Stationen, darunter auch Bhatia, der ein Hühnchen-Kebab anbot. Besonders umlagert waren der Stand des Würzburgers Benedikt Faust mit seinem "Kaninchen in Heuaroma", der des Wiesbadeners Michael Kammermeier mit seiner "gehobelten Elsässer Entenleber" und der von Kronenschlösschen-Koch Simon Stirntal, der geschmorte Ochsenschulter anrichtete.

Mit der Party eröffnet Festivalchef Hans Burkhardt Ullrich das Festival, zu dem bis zur Abschiedsparty am 12. März mehr als 6000 Fein- und Weinschmecker erwartet werden. Insgesamt finden an den 18 Festivaltagen 61 Veranstaltungen rund um Wein und feines Essen statt.

Ein echter Höhepunkt war das Dinner des Holländers Erik von Loo, der einfach großartig gekocht hat… ein Abend höchster Genüsse, und das mit nicht minder großartigen Weinen…

Weingut Künstler, Hochheim

2013 Hölle Riesling trocken GG VDP.Große Lage – einer der besten Künstler-Weine der vergangenen Jahr, perfekte Balance, Struktur, Finesse und Harmonie, Weltklasse !

2015 Hochheimer Hölle Riesling Auslese VDP-Große Lage – das Pendant, großartiger Süßwein, her mit der Gänsestopfleber!!!!

Meyer-Näkel, Ahr

2012 Pfarrwingert Spätburgunder VDP.Große Lage

2012 Sonnenberg Spätburgunder VDP.Große Lage

ein wirklich feines Pinot-Paar, wobei der Pfarrwingert mit seiner Würze, den gut eingebundenen Taninen und der Komplexität der stärkere Wein ist als der Sonnenberg… der Bessere ist halt der Feind des (sehr) Guten!

Klumpp, Bruchsal

2015 Unteröwisheimer Kirchberg Weißburgunder trocken

2015 Bruchsaler Rothenberg Grauburgunder trocken

Das ist vermutlich das zu meiner Heimatstadt Pforzheim nächstgelegene Spitzenweingut, und ich war immer noch nicht da! Nach diesen beiden Weine erscheint mir eine Verkostung vor Ort noch dringlicher, zumal Winzer Markus Klumpp ein ganz sympathischer Vertreter seiner Zunft ist… mir gefiel der Weißburgunder durch seine mineralische, gleichwohl salzig-kühle Natur und sein Säurespiel am besten… Nordbaden vom Feinsten!

Gantenbein, Graubünden

2014 Pinot Noir - Weltklasse! Finesse, Eleganz, Komplexität, von allem ein Füllhorn im Glas. Ganz großes Spätburgunder-Kino... und ich hatte zudem das Glück, Daniel Gantenbein als Tischnachbar zu haben und einiges mehr über das 6 Hektar-Weingut zu erfahren, das seine Weine nicht verkauft (60 Franken ab Weingut), sondern zuteilt.. Glücklich sei der, der einen Zugang hat... !