• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Schalom, Ihr Winzer aus Israel!

Geht es nach der Bibel ist Israel die Wiege des Weinbaus. In jedem Fall gibt es eine jahrhundertealte Weinbautradition, die aber erst mit der Immigration von Juden im 19. Jahrhundert ins damalige Palästina an Schwung gewann. Der moderne israelische Weinbau verdankt vieles dem Baron Edmond James de Rothschild, einst Mitbesitzer von Château Lafite-Rothschild. Heute ist Israel aber ein Exot unter den weinbautreibenden Nationen, exportiert wird nur wenig. Rund 300 Weingüter (weniger als die Hälfte der Güter im Rheingau) bewirtschaften rund 5500 Hektar Rebfläche. Die meisten Weinberge liegen im Norden, vor allem in den Golan-Höhen und im Oberen Galiläa, aber es gibt auch Güter in der Negev-Wüste. Die Bewässerung der Rebstöcke gehört zum Standard, mit bemerkenswerten Ausnahmen. Und das Terroir ist mindestens so vielfältig wie das Klima.

Soweit die Theorie… aber wie sehen die Praxis und der Status quo aus? Eine aufschlussreiche Stichprobe gab es anlässlich des Rheingau Gourmet und Wein Festivals, was auch insofern passend ist, weil die Weingüter Georg Breuer (Galil Mountain), Hans Lang (Seahorse), Baron Knyphausen (Adir) und die Hessischen Staatsweingüter (Golan Heights) jeweils interessante Partnerweingüter im gelobten Land haben.

Insgesamt wurden zwölf Weine von sieben Weingütern (Tulip, Maia, Seahorse, Somek, Margalit, Flam und Bazelet Halogan) präsentiert, darunter drei Weißweine.

Der klar Beste unter den Weißen war der 2013 „James“ Chenin Blanc von Seahorse, der südafrikanischen Vorbildern nacheifert, sehr kräftig mit prägnantem Holz, intensiv, druckvoll,  körperreich, langer Nachhall und zugegeben, auch eine „ölige Textur“, wie die Moderatorin anmerkte. Aber gut und deutlich stärker als die parfümierte, schwere, rosenölige  Gewürztraminer-Sauvignon blanc-Cuvée von Tulip und die noch exotischere, sehr fordernde Marsanne-French Colombard-Mixtur mit geringem Trinkfluss und alkoholischer Note.

Bei den Roten gefielen an erster Stelle der 2013 Cabernet Franc von Margalit mit einem Schuss Merlot, gutem Balance und Struktur, viel Trinkfreude, ferner der reinrassige, sehr feine 2011 Carignan von Somek (interessante Rebsorte, sollte dort Schule machen, verträgt das heiße Klima offenbar sehr gut, rustikale, rauchig-speckige Noten!), und nicht zuletzt der kraftvolle und dennoch süffige 2013 Fellini von Seahorse. Insgesamt allerdings liegen die Rotweine im Alkohol erwartungsgemäß recht hoch, und auch die Preise sind durchaus saftig, meist zwischen 20 und 30 Euro, und bei 37 Euro für den Somek wird die Luft doch recht dünn… das wird sich hierzulande meines Erachtens nur schwer verkaufen lassen…

Sauvignon blanc

Eine Trendsorte, und das obwohl – oder vielleicht sogar gerad weil? – die Stilistik und die sensorische Varianz eine enorme Spannbreite abdecken. Von grasig-grünen Weinen mit spitzer Säure aus dem Edelstahl bis zu gelbfruchtig-reifen und weichen Tropfen, gerne auch mit Holzgeschmack aus dem Barrique. Das erschwert die Beurteilung, weil es aus meiner Sicht auch keine echte Benchmark und keinen klaren „Königsweg“ der Erzeugung gibt, sondern nur persönliche Vorlieben der Winzer und Konsumenten. Tatsächlich tendiere ich bei den oben genannten Antipoden eher in Richtung Reife und gelber Frucht. Das heißt dann meist weniger Neuseeland und bisweilen auch weniger Südafrika, sondern eher Frankreich und Österreich… aber eben nicht immer. Schön, wenn es so einfach wäre! Und Deutschland? Nein, eine deutsche Stilistik hat sich bislang nicht durchgesetzt, zumal zu viele Winzer auf den Zug aufgesprungen sind, ohne die Rebsorte wirklich zu „verstehen“... Umso dankbarer war ich, zu einer kleinen internationalen Sauvignon-Probe eingeladen zu werden, und das waren die Probanden:

Saint Clair Estate 2014 und 2015 Wairau Reserve, Marlborough NZ

Cloudy Bay 2013 Te Koko, Neuseeland

Weedenborn 2015 Sauvignon blanc und 2015 Terra Rossa

Comte Lafond 2014 Sancerre ASC, Loire

Schreckbichl 2014 Lafoa, Epan

Schneider 2016 Kaitui, Pfalz

Thelema 2015 Sauvignon blanc Reserve, Stellenbosch

Das Ergebnis vorweg: Kompliment an Gesine Roll (Weedenborn) nach Monzernheim in Rheinhessen, denn ihr Terra Rossa zeigt sich wunderbar komplex, feinfruchtig, dicht mit großer Aromenintensität. Sehr gute Struktur und fein ausbalanciert, fast tropisch anmutende Noten. Eine strahlende Persönlichkeit, die dem Guts-Sauvignon allerdings abgeht. Zwar guter Trinkfluss, aber allzu sehr easy drinking, was dann schnell auch an die Grenze zur Beliebigkeit geht. Für mich als deutscher (!) Sauvignon gut erkennbar. Nicht so Markus Schneiders Kaitui, der mit exotischen Früchten und viel Johannisbeere glänzt. Ein extrovertierter Wein, natürlich noch ein Baby, aber mit gutem Entwicklungspotential. Hut ab. Neben dem Terra Rossa von einer der höchsten Erhebungen Rheinhessens gefiel vor allem der Cloudy Bay, trotz – oder wegen – einer ganz anderen Stilistik: komplex, stoffig, fast mollig, hohe Reife, komplex, mit gut eingebundenem Holz, sehr voll, aber auch fordernd, aber dennoch mit Trinkfluss. Die beiden Saint-Clair-Sauvignon konnte mich dagegen nicht wirklich überzeugen, 2015 noch eher als 2014, aber dennoch am Gaumen recht einfach gestrickt, grüne Reflexe, geringe Präzision, karg, moderater Trinkfluss. Deutlich besser Thelema aus meinem Lieblings-Urlaubsland, grüne Stachelbeere und Paprika, recht laut, aber auch sehr strahlend, feine Aromatik, gut Balance, ein in sich ruhender Wein mit hoher, animierender Trinkfreude. Schreckbichl dagegen eher ein Bodybuilder, sehr körperreich, auch recht alkoholisch wirkend, fordernd und kraftvoll, würde immer das Dekantieren empfehlen, angenehme Holznote. Schließlich noch Comte Lafond von der Loire, der trotz einer schönen Honignote im Bukett eher gar keinen als einen negativen Eindruck hinterließ: blass, zurückhaltend bis ausdruckslos, Ratlosigkeit macht sich breit…. Tipp: Die 2016 Fassproben von Weedenborn sind sehr, sehr vielversprechend…  

Aus dem Verkostungstagebuch

Goldatzel, Johannisberg

2007 Spätburgunder Auslese Barrique – „10 years after“ ein phänomenal guter Spätburgunder, auf den ersten Schluck fast grazil mit kühlem Zug, dann aber setzen sich die Aromen eines warmen Jahren durch, ohne deshalb dem Alkohol zu viel Dominanz zu geben, guter Nachhall, keine Alterstöne, wirkt deutlich jünger… zeigt das hohe Reifepotential der Goldatzel-Weine und ihre gute Struktur

1991 Winkeler Riesling Spätlese trocken – ein Tropfen aus der (eigentlich nicht vorhandenen) Schatzkammer des Weinguts. 1991er gibt es heute noch höchst selten zu finden und zu trinken, dieser hier wirkt ebenfalls deutlich jünger als der Jahrgang vermuten lässt. Klassische trockene Spätlese mit immer noch vernehmbarer Säure im Abgang, auch wenn der gereifte Tropfen auf den ersten Schluck schon fast wie ein kaum gereifter Chardonnay wirkt….

Olivier Leflaive, Burgund

2011 Saint-Aubin Grand Vin de Bourgogne

1990 Corton-Charlemagne Grand Cru

zwei sehr unterschiedliche Burgunder aus einem Haus…. 2011 noch recht jung, eher karg wirkend, verhaltene Frucht, eher einfach, hat die Balance noch nicht gefunden

1990 ein Hammer-Burgunder… so muss Chardonnay für mich schmecken… einer der Besten aus Europa, die bis bislang überhaupt auf den Gaumen gekommen sind, ein echtes Chardonnay-Erlebnis!

Allendorf, Winkel

2010 Winkeler Jesuitengarten Riesling Erstes Gewächs – zeigt wieder einmal die Stärke der „mittleren“ Jahrgänge, mit Finesse und Trinkfluss sowie guter Säure, klasse!

Domdechant Werner, Hochheim

2007 Hochheimer Hölle Riesling Kabinett trocken – Wein mit echtem Kabinettcharakter, feine Reifenote, gute Länge, schmeckt nach mehr…

Rheingau Gourmet & Wein Festival

Mit einer Kochdemonstration vor mehr als 40 Genießern und Hobbyköchen (mich eingeschlossen) hat der Londoner Spitzenkoch Bhatia das 21. Rheingau Gourmet- und Wein-Festival eröffnet. Seit 1993 lebt er in London, 2001 war er der erste indische Küchenchef, der für seinen Kochstil mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Wie geschmackvoll die indisch inspirierte Küche sein kann, davon hatten sich mehr als 400 Gäste schon am Vorabend bei der traditionsreichen Küchenparty im Dormitorium von Kloster Eberbach ein Bild machen können. Insgesamt kochten vier ausländische und sechs nationale Spitzenköche an verschiedenen Stationen, darunter auch Bhatia, der ein Hühnchen-Kebab anbot. Besonders umlagert waren der Stand des Würzburgers Benedikt Faust mit seinem "Kaninchen in Heuaroma", der des Wiesbadeners Michael Kammermeier mit seiner "gehobelten Elsässer Entenleber" und der von Kronenschlösschen-Koch Simon Stirntal, der geschmorte Ochsenschulter anrichtete.

Mit der Party eröffnet Festivalchef Hans Burkhardt Ullrich das Festival, zu dem bis zur Abschiedsparty am 12. März mehr als 6000 Fein- und Weinschmecker erwartet werden. Insgesamt finden an den 18 Festivaltagen 61 Veranstaltungen rund um Wein und feines Essen statt.

Ein echter Höhepunkt war das Dinner des Holländers Erik von Loo, der einfach großartig gekocht hat… ein Abend höchster Genüsse, und das mit nicht minder großartigen Weinen…

Weingut Künstler, Hochheim

2013 Hölle Riesling trocken GG VDP.Große Lage – einer der besten Künstler-Weine der vergangenen Jahr, perfekte Balance, Struktur, Finesse und Harmonie, Weltklasse !

2015 Hochheimer Hölle Riesling Auslese VDP-Große Lage – das Pendant, großartiger Süßwein, her mit der Gänsestopfleber!!!!

Meyer-Näkel, Ahr

2012 Pfarrwingert Spätburgunder VDP.Große Lage

2012 Sonnenberg Spätburgunder VDP.Große Lage

ein wirklich feines Pinot-Paar, wobei der Pfarrwingert mit seiner Würze, den gut eingebundenen Taninen und der Komplexität der stärkere Wein ist als der Sonnenberg… der Bessere ist halt der Feind des (sehr) Guten!

Klumpp, Bruchsal

2015 Unteröwisheimer Kirchberg Weißburgunder trocken

2015 Bruchsaler Rothenberg Grauburgunder trocken

Das ist vermutlich das zu meiner Heimatstadt Pforzheim nächstgelegene Spitzenweingut, und ich war immer noch nicht da! Nach diesen beiden Weine erscheint mir eine Verkostung vor Ort noch dringlicher, zumal Winzer Markus Klumpp ein ganz sympathischer Vertreter seiner Zunft ist… mir gefiel der Weißburgunder durch seine mineralische, gleichwohl salzig-kühle Natur und sein Säurespiel am besten… Nordbaden vom Feinsten!

Gantenbein, Graubünden

2014 Pinot Noir - Weltklasse! Finesse, Eleganz, Komplexität, von allem ein Füllhorn im Glas. Ganz großes Spätburgunder-Kino... und ich hatte zudem das Glück, Daniel Gantenbein als Tischnachbar zu haben und einiges mehr über das 6 Hektar-Weingut zu erfahren, das seine Weine nicht verkauft (60 Franken ab Weingut), sondern zuteilt.. Glücklich sei der, der einen Zugang hat... ! 

Her mit den alten Kameraden!

Kaminweinprobe bei Wegeler. Klasse Idee! Jeden zweite Freitag im Winter Keller und Schatzkammer öffnen und gereifte Weine von Spinnweben und Kellerpilz befreien, um sie einem interessierten Publikum zu präsentieren. Viele Weingüter haben einen – leider nicht immer gut gepflegten – Schatz älterer Weine im Keller, aber weil unter Kunden und Gästen noch immer der Jugendwahn herrscht, schlummern sie weiter…und die meisten werden dadurch nicht besser. Bei Wegeler haben gereifte Weine schon immer einen hohen Stellenwert, auch wenn das Kundeninteresse höchst wechselhaft ist. Umso schöner die Initiative von Tom Drieseberg, jeden Freitag bis zu 30 Weinfreunde in der alten Kelterhalle vor dem Rebenfeuer zu versammeln, um mit ihnen ein paar gereifte Schätzchen zu verkosten. Da geht es unter anderem um „Große Weine von Rhein und Mosel“ und um „Große Gewächse aus Deutschland“… in unserem Fall um die „Vintage Collection“ des Weinguts.

2002 Geheimrat J. Riesling Sekt brut

Nach zehn Jahren auf der Hefe gefällt der Sekt durch eine feine Perlage, langen Nachhall. Aromen von Apfel und Brioche sowie etwas Orange, leichte, aber kaum störende Petrolnoten, zügig in großen Schlucken und mit Genuss trinken, denn bei längerem Kontakt fällt der Tropfen auch schnell auseinander…

2007 Mosel Riesling VDP.Gutswein

verhaltenes Bukett, weich, dabei doch recht füllig und unverkennbar aus einem warmen Jahr, am Gaumen besser als in der Nase, dezente Schiefer-Noten, absolut trinkreif, lebendige Säure, für ein „lecker Möselchen“ ein wenig zu breit obgleich recht frisch

2002 Oestricher Lenchen Riesling Spätlese VDP.Große Lage

helles Bernstein, in der Nase recht irritierend mit unschönen Uhu-Noten, wirkt karg und fruchtlos, moderate Säure, dezente Süße, im Nachhall sehr ordentlich, aber unter dem Strich eher enttäuschend

1996 Winkel Jesuitengarten Riesling

Mit den drei romanischen Bögen als „inoffzielles“ 1. Gewächs erkennbar, wirkt sehr trocken, straff, präzise, hat den Höhepunkt zwar schon hinter sich aber durchaus ein Genuss trotz einer leichten Gezehrtheit, kein Charmeur sondern ein strenger Zuchtmeister, nix für Anfänger, eine Freude für Kenner

1999 Wehlener Sonnenuhr VDP.Große Lage

unverkennbar Mosel, Aromen von Mirabelle, Lychee und Pflaume, fehlt ein wenig Säure für einen nachhaltigen Spannungsbogen, dennoch sehr gut gereift, ruht in sich, schöne Mineralität im Abgang, feine, nicht zu opulente Süße, klasse Zigarrenwein!

1980 Winkeler Hasensprung QbA

kleiner Wein aus kritischem Jahrgang, dafür aber sehr ordentlich, helles Bernstein, pikante, würzige Säure, ein wenig Rosine, viele Kräuter, inzwischen ganz auf der trockenen Seite angekommen, gut trinkbar…

1986 Bernkastel Doctor Spätlese VDP.Große Lage

Altgold, großartiger Wein aus kompliziertem Jahr bevor endlich der Klimawandel langsam zu greifen beginnt. Prägnante, nicht zu spitze Säure, guter Trinkfluss, guter Nachhall, perfekter Wein zum Wiener Schnitzel!

1997 Bernkastel Doctor Riesling Spätlese

sehr ordentlich, exotische Noten und viel Stachelbeere, elegante Säure, ein eher femininer Wein, aber gut

1959 Oestricher Lenchen Riesling feine Spätlese

Das Beste zum Schluss, in der Frische und Klarheit kaum als 1959er erkennbar, die meisten tippten auf einen aus den 70er Jahren, lag vielleicht auch daran, dass vor einigen Jahren neu verkorkt und geschwefelt, in jedem Fall sehr frisch, klar, elegant, hoher Trinkfluss und großer Trinkspass, mehr davon !

Weitere Kaminfeuer-Proben an jedem zweiten Freitag bis zum 21. April, sehr empfehlenswert!

Aus dem Verkostungstagebuch

Das FEST!

Zum 3. Mal „Aufwärts im Rheingau“! Ein Klasse-Weinfest und Stelldichein der VDP-Erzeuger und Weinfreaks in der Hattenheimer Winebank von Familie Ress. Bestens bewirtet von Gabi Würtz war es eine großartige Veranstaltung, trotz nicht gerade kuscheliger Temperaturen… Mehr als 100 Teilnehmer tranken sich durch die Rheingauer Lagen, methodisch (von Hochheim nach Lorch) oder chaotisch… Großes Kompliment an alle Macher, Mitmacher, Veranstalter, Organisatoren und Winebanker… das war wieder mal ne gelungene Werbung für zu oft und meist ungerecht als betulich titulierten Rheingau. Hier geht die Post ab! Auf meiner Zunge waren es an diesem Abend vornehmlich diese Weine (denn der Bessere ist stets der Feind des Guten…): allesamt Riesling GG: Ress 2015 Nussbrunnen, Wegeler 2015 Rothenberg, Kesseler 2015 Schlossberg, Kühn 2014 Sankt Nikolaus und 2011 Doosberg (Magnum), Künstler 2014 Schlossberg und 2014 Rottland, Weil 2013 und 2015 Gräfenberg, Jung 2014 Siegelsberg… freu mich auf 2018!

Franken & mehr

… war die jüngste Probe der Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau überschrieben… ein nette Kollektion mit teils unbekannter Weingüter, mit Höhe (Aufricht!) und Tiefen (Schloss Sommerhausen) sowie phänomenalem Weißburgunder (Fürst, mein Held!)

Riesling   

Weingut Berthold Schmachtenberger

2015 Randersacker Marsberg Riesling Quaderkalk Spätlese trocken … ok, aber nich mehr ….

Bürgerspital Würzburg

2014 Würzburger Stein Riesling trocken … guter Trinkfluss, Tiefgang!

Becksteiner Winzer

2014 Gerlachsheimer Herrenberg Riesling Spätlese trocken

Schloss Sommerhausen

Sommerhäuser Steinbach Riesling trocken VDP.Erste Lage

Weingut Arnold

Randersacker Pflüben Riesling VDP Grosse Lage GG … überraschend gut… mit dem Weingut muss ich mich mal näher beschäftigen…

Weingut Aufricht

2014 Meersburger Sängerhalde Riesling trocken (eine Bank!)

Weißburgunder

Weingut Berthold Schmachtenberger

Randersackerer Sonnenstuhl 2015 Weißburgunder Spätlese trocken

Weingut Baldauf

2015          Weissburgunder Clees Spätlese trocken

Fürstlich Castell´sches Domänenamt      

2015 Weissburgunder Casteller Kirchberg

Rudolf Fürst

2013 Weissburgunder Centgrafenberg "R" im Barrique gereift

Tauberschwarz vs. Schwarzriesling                                     

Weingut Benz   

2012 Tauberschwarz „Edition Schlösslein“ Barrique

Becksteiner Winzer

2015 Tauberschwarz Beckersteiner Kirchberg trocken

Becksteiner Winzer

2015 Schwarzriesling Dittwarer Ölkuchen    

Weingut Höfler

2013          Schwarzriesling Steinberg - Magnifificum VDP Erste Lage

Tauberschwarz… braucht kein Mensch, Schwarzriesling auch nicht wirklich….

Weingut Wurm/Ottes

2015 Lorcher Riesling Schiefer trocken – ich mag diesen Wein… aber dann der Vorführeffekt. In trauter Runde der Weinkenner kein klarer Korkschmecker, aber eben doch irgendwie dumpf, alle andere als strahlend, eine Enttäuschung… und keine Konterflasche parat!

Weingut August Kesseler

2015 Lorcher Pfaffenwies Riesling trocken – klasse Riesling, typisch Lorch, elegant, beschwingte Mittelrheinart ohne zu sehr ins Spielerische abzugleiten… lecker

Das Weinwerk Rüdesheim

2015 Rüdesheim Berg Roseneck*** Edition Vincenz No.5 – gut, aber ein wenig überkonzentriert, schon recht reif, fett, eingeschränkter Trinkfluss

Weingut Bickel-Stumpf, Franken

2014 Mönchskopf Silvaner GG – ein Top-Silvaner und eine Zierde der Rebsorte… elegant, guter Zug, hoher Trinkspass, fast so gut wie mein derzeitiger Liebling von Ludwig Knoll, Weingut am Stein… rockt!

Pol Roger Champagne Reserve brut

schöner Schampus, leicht brotig, aber nicht oxydativ, gute Perlage, frisch, elegant, trinkt sich lecker in großen Schlucken…

Jacob Silcher, Eltville

1976 Kiedricher Sandgrub Riesling Auslese – bernsteinfarben, aber alles andere als oxidativ, gutes Beispiel für die Langlebigkeit der 1976er

August Kesseler, Assmannshausen

2014 Cuvée Max Rheingau Pinot Noir – großartiger Pinot mit kleinem Zuckerschwänzchen, das dem Wein den perfekten Schliff gibt, das kann niemand so gut wie Kesseler!

Cantina Viticoltori Del Monferrato

2003 Barbera del Monferrato DOC superior – wow, was für eine opulente Säure, die dem Wein Jugend und Finesse gibt, animierend und animalisch, den Jahrgang würde blind kaum jemand erraten, sehr gut

Südafrika aktuell

Endlich wieder Südafrika! Unerreichtes Paradies für Feinschmecker und Weinfreaks im europäischen Winter. Wie gewohnt ein wenig holzschnittartig hier die wichtigsten Eindrücke von Besuchen diverser Weingüter und Verkostungen verschiedener Weine. Noble Hill ist ein kleines Weingut unweit von Paarl, das einem Amerikaner gehört. Die Location ist ganz ok, das Personal sehr freundlich, die Weine (am besten: 2014 Chardonnay) sind aber nur Durchschnitt, obwohl ich mir das hübsche „Cosecha“- Restaurant als möglichen Anlaufpunkt für einen Lunch im nächsten Jahr schon mal gemerkt habe. Eher besuchenswert ist Vrede en Lust, mit zwei ordentlichen Chardonnays und einer echten Überraschung: dem 2016 Early Mist Riesling, der alles andere als „Mist“ ist, sondern mit 12 Gramm Restzucker sehr süffig daherkommt und sich auch sehr gut verkauft, wie im Weingut glaubhaft zu hören ist. Ein wirklich ordentlicher Riesling. Nur ein paar Meter weiter liegt Rupert & Rothschild, die Kooperation zwischen der Rupert-Dynastie und dem Hause Lafite-Rothschild. Ein perfekt gepflegtes Weingut, fast schon klinisch hübsch und bar jeder Emotion, ausgerichtet auf größere Gruppen von Besuchern, denen immer nur 3 Weine geboten werden. 2015 Baronesse Nadine, 2014 Classique und 2013 Baron Edmond. Gut, aber alle 3 hinterlassen keinen nachhaltigen Eindruck. Dann doch lieber zu Glen Carlou, um dort von der Terrasse den phänomenalen Blick auf den Paarlberg genießen und den Flagship-Chardonnay 2014 Quartz Stone Single Vineyard zu genießen. Wer jetzt hier an dieser Stelle das benachbarte Babylonstoren vermisst, der sei auf frühere Blogeinträge verwiesen, denn dafür reichte diesmal die Zeit nicht… Hingehen sollte man auf alle Fälle.

Die notwendige Zeit nehme ich mir allerdings IMMER für Kanonkop! Die Estate-Range, also 2014 Pinotage (grandios!), 2012 Cabernet Sauvignon und 2013 Paul Sauer, sprach einmal mehr für sich. Hier ist einer der besten Rotweinmacher am Kap am Werk mit tiefgründigen, komplexen, überragenden Weinen. Hut ab!

La Motte ist (ebenso wie Grande Provence – neu: der Amphora-Wein!, aber besser: 2014 The Grande Provence White) ebenfalls immer ein Muss, und ja, man sollte sich im Restaurant auf jeden Fall einen Syrah (diesmal Jahrgang 2009) und auch die 2011 Hanneli R.- Cuvee gönnen.. Wie diese Weine zelebriert werden, daran kann sich jedes deutsche Weingut eine Scheibe abschneiden! Und die Hanneli gehört für mich neben dem 2011 „The Jem“ von Waterford diesmal zu den besten aller verkosteten Roten. Waterford ist ohnehin immer eine Reise wert, auch die „Safari“ durch die Weinberge ist absolut empfehlenswert!

Entspannung solle man sich immer nebenan bei Dornier, wo das Personal super, die Weine und das Essen sehr gut sind, der 2016 Bush Vine Chenin blanc war ebenso großartig wie der holzgeprägte 2015 Donatus White.

Natürlich ist ein Abstecher bei Delaire Graff für jeden Erst-Besucher-Südafrika Pflicht, denn hier sind Prunk & Protz zu Hause. Die Kreditkarte nicht vergessen… im integrierten Schmuckladen kann nur in Dollar bezahlt werden, ab 10.000 Dollar wird es interessant… die Weine sind von gutem Durchschnitt, aber lange nicht so imposant wie die Architektur, da ist immer noch viel Luft nach oben, obwohl uns der 2014 Terraced Block Chardonnay Reserve schon recht gut gefallen hat, ebenso der Swartland Reserve Chenin blanc. Falls jemand tatsächlich den 2013 Laurence Graff Reserve (3500 Rand!) schon einmal verkostet hat, bitte eine PN an mich!  

Wer Lunch-Hunger hat, nehme sich die Zeit für einen Abstecher zu Moreson. Das Bread & Wine-Restaurant hat verdient einen sehr guten Ruf, und wer nur eine Kleinigkeit will, ist im angeschlossenen kleinen Bistro richtig. In jedem Fall sollte man sich den 2014 Mercator Chardonnay gönnen, der aktuell zu den besten im gesamten Tal gehört.

Colmant & Haut Cabriere: Wer Sekt mag, ist hier richtig (natürlich auch bei Simonsig und – Hut ab – Graham Beck! Der Rosé brut ist ein Knaller) Colmant ist ein ausgezeichneter Sekterzeuger und vor allem der Chardonnay brut gehört regelmäßig zu meinen Lieblingen vom Kap! Bei Haut Cabrière ist vor allem der Ausblick ins Franschhoek-Tal grandios. Am besten ist dort der Blanc de Blancs de brut, der gleichwohl nicht an die Colmant-Sekte heranreicht, wo der Brut Rosé, der Brut Resérve und der Brut Plaisir ebenfalls herausragend gut sind.

Bei Vergelegen habe ich nach dem obligatorischen Rundgang durch einen der schönsten Weingutsparks des Landes wie immer fast die gesamte Kollektion probiert… vielen anderen Meinungen zum Trotz bleibe ich dabei: Die Weißweine sind fast immer deutlich überzeugender als die Roten! Große Klasse der Semillon, der übrigens als Verschnittpartner vielen Cuvées den perfekten Kick gibt! Die Chardonnay Reserve ist ebenfalls sehr gut, deutlich besser als der Sauvignon blanc Reserve und sogar als der Vergelegen White, den ich allerdings auch nicht von der Bettkante stoßen würde. Bei paar Kilometer weiter bei Waterkloof gehören der 2016 Chenin blanc und der 2015 Circle of Life zum Pflichtprogramm… ebenso der vielleicht beste Lunch der Region! Der beste Ausblick sowieso.

Sehr erfreulich entwickeln sich die Weingüter im Hemel-en-Aarde-Valley bei Hermanus. Das Tapas-Wine-Pairing bei Creation gehört weiter zu den besten weinkulinarischen Erfahrungen, die in der Kapregion möglich sind. Bei Ataraxia habe ich einen der besten Sauvigon blancs (2016) und ebenso den aktuell vielleicht besten Chardonnay (2015) mit kühlen Zug, Brillanz, hohem Trinkfluss, Nachhall und Finesse getrunken. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Proben bei Bouchard-Finlayson und bei Hamilton Russel stets eine Freude sind. Hier wachsen Chardonnays der allerfeinsten Art und ebenso saugute Spätburgunder. Ein Fest auf der Zunge einmal mehr die Ashbourne-Weißweincuvée, der den Jahrgang 2010 kein Blindverkoster abnimmt, und sonst?

Als besonders bemerkenswert notiert und für den Blog für würdig befunden:

Alheit 2014 Cartology Bush Vine

A.A.Badenhorst 2013 White Blend

Sumaridge 2012 Maritimus

Hier die Abteilung “Beste Shiraz/ Syrah” der Reise

Beaumont Family Wines 2014 Danger-Field Syrah

Mullineux 2014 Syrah

Andreas 2013 Shiraz

Luddite 2011 Shiraz

La Motte 2009 Syrah

Waterford 2012 Kevin Arnold Shiraz

Darüber hinaus Kanonkop 2008 Kadette aus der Magnum

Sauvignon blanc

Spier 2016 Sauvignon blanc Creative block 2

Southern Right 2016 Sauvignon blanc

Uitkyk 2016 Sauvignon blanc

Glen Carlou 2016 Sauvignon blanc

aber auch:

Durbanville Hills 2016 Chenin blanc

Simonsig 2016 Sauvignon blanc & 2015 Wooded Chenin Avec Chène

Peter Max 2015 Crystallum Pinot Noir

Schließlich: Ken Forrester: 2016 Old Vine Reserve Chenin blanc… (neben dem Ataraxia Chardonnay der einzige Wein, den ich 2x getrunken habe) setzt diesmal den wirklich gelungenen Schlusspunkt in einem Johannesburger Top-Restaurant für Weinfreaks, der Villa Bianca, idealerweise nur ein paar Minuten vom OR-Tambo-Flughafen gelegen. Die guten Chenins haben einfach meist einen Tick mehr Strahlkraft und Charakter als die Sauvignon blancs, die im Land derzeit aber dennoch mehr getrunken werden. Wer Südafrika aber wirklich schmecken will, greife besser zu Chenin oder den vielen guten Chardonnays! Dann bis 2018!