• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Koehler-Ruprecht verlässt den VDP

Das Pfälzer Traditionsweingut Koehler-Ruprecht, das seit 1926 dem VDP-Vorläufer „Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz“ angehört, verlässt zum Jahresende die Prädikatsweingüter. Geschäftsführer Dominik Sona und die Besitzerfamilie Sauvage äußern in einer Pressemitteilung zwar ihr Bedauern. Sie sehen den Schritt aber als Ende einer langen Entwicklung die schon 1997 mit der „Erklärung zur Lage“ mehrerer Weingüter zur Erzeugung hochwertiger trockener Rieslinge aus besten Lagen begann.

Als Anlass wird die „Übereinkunft der Kollegen“ genannt, alle trockenen Weine nur noch als Qualitätsweine zu bezeichnen und damit anreichern zu dürfen. Koehler-Ruprecht hingegen produziere „aus Überzeugung“ Prädikatsweine in der Tradition der Naturweinversteigerer. Nicht angereicherte Moste seien Voraussetzung für authentische Weine. Zudem bedeute die neue VDP-Klassifikation mit dem Lagenverbrauch im Hinblick auf die wichtigste Lage des Gutes, den Kallstadter Saumagen, eine Einschränkung, „die unserer Philosophie diametral gegenübersteht“. „Wir sind der festen Überzeugung, dass nicht das Bezeichnungsrecht einen großen Wein definiert, sondern nur der Wein selbst.“, heißt es in der Erklärung. Da die 2012 im „Neustadter Beschluss“ festgelegte Klassifikation von allen VDP-Betrieben mit dem Jahrgang 2012 umgesetzt werden müsse, „sind wir gezwungen, die Mitgliedschaft zu beenden.“

Sehr schade! Mein Fazit: Nein, überraschend kommt das nicht!. Es war und ist absehbar, dass den VDP unter anderem wegen der neuen Klassifikation und dem damit erzwungen Verzicht auf trockene Kabinettweine und trockene Spätlesen mit Lagenbezeichnung (!) einige Weingüter verlassen werden. Das wird wohl auch im Rheingau so sein. Viel hängt wohl davon ab, ob manches Weingut zumindest in einigen Weinregionen wie dem Rheingau mit der Hilfskrücke der „Gewannbezeichnung“ weiterkommt. Ob der Weg des VDP richtig ist, wird sich wohl erst in einigen Jahren in seiner Gesamtheit zeigen. Einerseits gehen dem Verband einige wichtige und bedeutsame Weingüter verloren. Andererseits wird die Verbands-Philosophie stringenter und konsequenter (der Kritiker wird uniformer sagen!) : Ob es den trockenen Lagenkabinett wirklich braucht (von der Spätlese ganz zu schweigen), daran habe ich persönlich schon meine Zweifel, zumal der Kabinett (mit K) eine recht nichtssagende Kategorie geworden ist. Ohne genaue Kenntnis der Weingutsphilosophie ist das ein Begriff ohne Wert (ich erinnere mich ungerne an den vermeintlich „besten Kabinett“ weltweit, der vor einigen Jahren in London gekürt wurde… ein Rheingauer mit 95 Oechsle und 14% Alkohol… aber „Kabinett“ auf dem Etikett… als Leichtweinspezialität ist der Kabinett in der Welt unschlagbar, aber ist der dann noch ein präziser Botschafter seiner Lage… ?